BIH stärkt translationale Forschung: Professor Frank Konietschke baut Statistik-Nachwuchsgruppe am BIH und der Charité auf

Am 1. Januar 2019 hat Frank Konietschke am Berliner Institut für Gesundheitsforschung / Berlin Institute of Health (BIH) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin eine Professur für Statistische Methoden der Translation und frühe klinische Studien angetreten. Er will die Wissenschaftler*innen des Gemeinsamen Forschungsraums dabei unterstützen, ihre Forschungsvorhaben statistisch korrekt umzusetzen, um Projekte in den Bereichen personalisierte Medizin, translationale Forschung und seltene Krankheiten präziser realisieren zu können.

Die translationale Forschung ist das entscheidende Bindeglied zwischen dem, was Wissenschaftler*innen im Labor entdecken, und den Therapien, von denen die Patient*innen profitieren. Doch der Übergang ist oft kompliziert: Neben regulatorischen Hürden gibt es eine Reihe von statistischen Herausforderungen. So sind insbesondere im Bereich der personalisierten Medizin die Patientengruppen, an denen etwa eine neue Therapie getestet werden soll, meist sehr klein. Dies erschwert es, aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen. Auch bei seltenen Krankheiten und frühen klinischen Studien steht oft nur eine begrenzte Zahl an Patient*innen zur Verfügung. „Gerade dort, wo sich Statistik nur auf eine geringe Datenmenge stützen kann, muss sie besonders durchdacht sein, um ihre Aussagekraft zu entfalten“, sagt Frank Konietschke, der seit über zehn Jahren auf dieses Forschungsfeld spezialisiert ist.

Konietschke will als eine Art „Ideenverwirklicher“ fungieren, indem er Mediziner*innen und Wissenschaftler*innen dabei berät, wie sie ihre Projekte umsetzen können. Für seine neue Tätigkeit, die sich neben der Forschung auch auf die Lehre erstreckt, bringt Konietschke ideale Voraussetzungen mit. Nach seiner Promotion mit Auszeichnung im Fach Mathematik im Jahr 2009 an der Universität Göttingen hat er sich als Postdoc vor allem auf die Analyse kleiner Fallzahlen konzentriert. Dabei hat Konietschke in insgesamt mehr als 50 Publikationen das Feld sowohl methodisch-theoretisch als auch in der Anwendung vorangebracht. Konietschke pflegt internationale Kooperationen, unter anderem arbeitet er mit Wissenschaftler*innen der Universitäten Ulm und Wien, der kanadischen York University Toronto, der US-amerikanischen University of Kentucky und dem Presbyterien Hospital in Dallas zusammen. Auch in der Softwareentwicklung hat sich Konietschke, der zuletzt Assistant Professor an der University of Texas in Dallas war, einen Namen gemacht.

Am BIH und an der Charité will sich Konietschke gleich mehreren Zukunftsfeldern der Medizin widmen. Ein Schwerpunkt liegt auf der personalisierten Medizin, wo er unter anderem neue Prädiktionsmodelle entwickeln will, etwa um bessere Vorhersagen über Risiken, Therapien und die Lebensqualität treffen zu können. Für frühe klinische Studien sollen neue Methoden und Testverfahren entwickelt werden und für die Diagnostik von seltenen Krankheiten sollen verbesserte statistische Verfahren entstehen, etwa um zuverlässigere individuelle Therapieempfehlungen geben zu können. Auch in den Forschungsbereichen präklinische Studien, klinische Kohorten und Softwareentwicklung will Konietschke neue Akzente setzen. Als Anwendungsbeispiel für neue methodische Verfahren wird die BeLOVE-Studie dienen können.

Die Nachwuchsgruppe ist in der BIH-Plattform Klinisch-Translationale Wissenschaften verortet und wird die bereits existierende Service-Einheit Biometrie des Instituts für Biometrie und Klinische Epidemiologie der Charité erweitern.