Pressemitteilung zum „Framework paper“ des QUEST Centers: Kulturwandel in der biomedizinischen Forschung

Das QUEST Center for Transforming Biomedical Research am Berlin Institute of Health (BIH) veröffentlicht nach dreijähriger Tätigkeit eine erste Bilanz und lädt vom 20.-22. Februar 2020 zum „Qualitätskongress“ nach Berlin ein. Journalisten sind herzlich eingeladen, an der Konferenz teilzunehmen.

Seit drei Jahren geht das BIH QUEST Center der Frage nach: Wie gut ist die biomedizinische Forschung? QUEST steht dabei für Qualität, Ethik, Open Science und Translation. Hintergrund sind Veröffentlichungen, nach denen weniger als die Hälfte aller in der Biomedizin veröffentlichen Studien reproduzierbar sind. Dies liegt auch daran, dass oftmals bereits der Versuchsaufbau bestimmten Qualitätskriterien nicht genügt. Teilweise fehlen Kontrollen, die Stichprobengrößen sind zu gering, um statistisch aussagekräftig zu sein, es werden nicht alle Messwerte veröffentlicht oder Auswertungen falsch berechnet.

„So ist es kein Wunder, dass die Translation, also die Übertragung von Ergebnissen aus der biomedizinischen Grundlagenforschung in die klinische Forschung zu selten gelingt bzw. selten zu neuen Therapien führt“, erklärt Professor Ulrich Dirnagl, Gründungsdirektor des BIH QUEST Center und Professor für experimentelle Neurologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin.

Enormer Druck in der Wissenschaft

Als Ursache für die Schieflage in der biomedizinischen Forschung haben die Wissenschaftler*innen bei QUEST unter anderem den enormen Druck ausgemacht, der in der Wissenschaft herrscht. „Als Forscherin oder Forscher muss man Drittmittel einwerben, den wissenschaftlichen Nachwuchs ausbilden und möglichst oft möglichst hochrangig publizieren. Da bleibt häufig zu wenig Zeit, um sich auch noch strukturiert mit Fragen der Qualität in der Forschung auseinander zu setzen“, sagt Dirnagl. „Unser Ansatz ist es daher, Anreize und Hilfestellungen zu geben, die es ermöglichen, sich auch um die Qualität der Forschung zu kümmern.“

So hat das QUEST Center Preise ausgelobt für das Offenlegen sämtlicher Rohdaten aus Experimenten, leistet Hilfe beim Etablieren eines elektronischen Laborbuchs oder beim Veröffentlichen von Klinischen Studien und bietet verschiedene Kurse an, etwa in statistische Methoden robuster Forschung oder dem Offenlegen von Daten, in denen insbesondere der wissenschaftliche Nachwuchs in qualitätsgesicherter Forschungsarbeit geschult wird.

„Ob unsere Maßnahmen den gewünschten Effekt erzielen, werden wir erst in ein paar Jahren feststellen können“, sagt Ulrich Dirnagl. Dazu betreibt das QUEST Team intensive Begleitforschung zu seinen eingeführten Maßnahmen. „Bislang können wir nur feststellen, dass immer mehr Gruppen ihre Daten offen publizieren und das elektronische Laborbuch benutzen und dass unsere Kursangebote sehr nachgefragt werden. Es stimmt uns zuversichtlich, dass ein allgemeines Bewusstsein um die Situation vorhanden ist und ein Interesse, daran etwas zu verändern.“

Großes Interesse an der Arbeit des BIH QUEST Center

Die Arbeit des QUEST Center wird auch außerhalb des BIH-Forschungsraums, der Charité – Universitätsmedizin und dem Max-Delbrück-Centrum für molekulare Medizin (MDC),  wahrgenommen und geschätzt: So war das QUEST Center eng eingebunden in den erfolgreichen gemeinsamen Antrag der Berliner Universitäten zur Exzellenzinitiative, der britische Wellcome Trust fördert das QUEST Center und wissenschaftliche Institutionen aus dem In- und Ausland lassen sich durch das BIH beraten, um ebenfalls QUEST-ähnliche Initiativen zu starten.

Ulrich Dirnagl freut sich über das Interesse am BIH QUEST Center. „Forschung ist vernetzt und international. Da nützt es nichts, wenn wir nur hier in Berlin neue Qualitätskriterien aufstellen und einführen.“ Doch natürlich gibt es auch anderswo Initiativen, die die Qualität der biomedizinischen Forschung auf eine neue Stufe stellen wollen. Auf der vom BIH QUEST Center ausgerichteten internationalen REWARD EQUATOR Conference treffen sich vom 20.-22. Februar 2020 Interessierte aus aller Welt in Berlin, um über einen „Kulturwandel“ in der biomedizinischen Forschung zu diskutieren und wirksame Maßnahmen vorzustellen.

Fokus auf Maßnahmen, die die Qualität verbessern

„Wir haben nun genug Evidenz darüber, dass viele Forschungsvorhaben mangelnde Qualität aufweisen. Wir wissen, dass sich das nachteilig für das gesamte Forschungsfeld auswirkt, vor allem auch auf die mögliche Übertragung in die klinische Anwendung. Auf der Reward Equator Conference werden wir deshalb unseren Fokus auf Maßnahmen legen, die die Qualität der Forschung verbessern können“, sagt Ulrich Dirnagl. Auf der Konferenz sprechen internationale Vertreter*innen von Ethikkommissionen und Behörden, von Verlagen und Förderorganisationen, und natürlich Forscher*innen selbst. Ziel ist es, die verschiedenen „Player“ an einen Tisch zu bringen, zur Diskussion und Vernetzung anzuregen und neue gemeinsame Projekte zu ermöglichen.

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Link zur Publikation: https://doi.org/10.1371/journal.pbio.3000576