Interview Josefine Radke

Im Juni erhielten Josefine Radke und ihr Team die Auszeichnung Paper of the Month für die Publikation über einen Signalweg, der bei der Entstehung von malignen Gliomen eine wichtige Rolle spielt. Wir haben sie zu der Forschung und dem Projekt befragt.

Woran forschen Sie? Was ist der Kern Ihrer Forschung? Was motiviert Sie bei ihrer Forschung?

Im Fokus unserer Forschung stehen die Hirntumore, insbesondere das Glioblastom. Bei diesem Tumor handelt es sich um den häufigsten, bösartigen, primären Hirntumor. Trotz zahlreicher Studien und experimenteller Therapieansätze hat dieser Tumor immer noch eine sehr schlechte Prognose und die mittlere Überlebenszeit liegt derzeit bei nur knapp 15 Monaten. Daher ist es von Bedeutung diese Tumore genetisch und epigenetisch weiter zur erforschen, die Mechanismen der Entstehung besser zu verstehen, um daraus weitere Therapieoptionen zu entwickeln.

Was ist die zentrale Botschaft/Kernaussage Ihrer Publikation und wodurch unterscheidet sich Ihre Studie von den Arbeiten anderer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in diesem Feld?

Wir beschreiben in unserem Paper die Expression des Enzyms pAXL im Glioblastom. Die Expression von AXL wurde im Glioblastom in vorherigen Studien bereits gezeigt. Die phosphorylierte Variante pAXL stellt jedoch die aktive Form des Enzyms da. Es war somit wichtig zu zeigen, dass auch diese Form im Glioblastom exprimiert wird. Des Weiteren haben wir verschiedene Expressionstypen identifizieren können und somit gezeigt, dass ein bestimmtes Patientenkollektiv von einer Hemmung oder Inaktivierung von pAXL profitieren könnte. Die Inhibierung von pAXL stellt (am ehesten in Kombination mit der Inhibierung anderer Kinasen) eine mögliche Therapieoption für Glioblastom-Patienten dar.

Mit welchen Kooperationspartnern ist die Publikation entstanden? Wer war maßgeblich mit daran beteiligt?

Entscheidend für die Entstehung dieser Publikation ist die enge Zusammenarbeit zwischen den beiden Charité Instituten für Neurochirurgie und Neuropathologie. Nur so lassen sich die entsprechenden Patientinnen und Patienten identifizieren und deren Gewebe genauer untersuchen.

Welche nächsten Schritte sind für das Projekt geplant und was sind mögliche Implikationen Ihrer Ergebnisse für Patientinnen und Patienten?

Wir arbeiten bereits an weiteren Projekten zum Glioblastom. In Bezug auf pAXL konnten wir in der Zellkultur und im Tiermodell zeigen, dass die Hemmung des Rezeptors, an den pAXL bindet, zu einem reduzierten Tumorwachstum führt. Die involvierten Signalkaskaden und mögliche Resistenzmechanismen gegenüber einer Anti-AXL Therapie sind Gegenstand unserer aktuellen Forschungstätigkeit.

Gegenwärtig sind eine Vielzahl von AXL Inhibitoren in klinische Phase I und II Studien eingetreten, zur Behandlung andere Tumorentitäten. Wir werden somit bald weitere Daten zur Verträglichkeit im Menschen haben, mit dem Ziel einer klinischen Studie zur AXL-Inhibition bei Glioblastom-Patientinnen und -Patienten.