BIH Podcast Folge 27: Wie gelingt die Integration des BIH in die Charité?

28. Dezember 2020

Interviewpartner: Professor Christopher Baum, Vorstandsvorsitzender des Berlin Institute of Health (BIH). 

Herzlich willkommen zum BIH-Podcast „Aus Forschung wird Gesundheit“ aus dem Berlin Institute of Health, dem BIH. Wir wollen in diesem Podcast Fragen beantworten rund um das Thema Gesundheit und Gesundheitsforschung. Mein Name ist Stefanie Seltmann.

Heute geht es nicht direkt um Gesundheit und Gesundheitsforschung, sondern es geht um eine wichtige strategische Entscheidung für das BIH: Die Integration in die Charité zum 1. Januar 2021. Dazu spreche ich mit Professor Christopher Baum, unserem Vorstandsvorsitzenden, der Anfang Oktober sein Amt angetreten hat.

Seltmann: Herr Baum, zum Jahreswechsel wird das BIH in die Charité integriert als so genannte dritte Säule für translationale Forschung, neben den beiden anderen Säulen der Krankenversorgung und der Forschung und Lehre. Als Sie vor drei Monaten als Vorstandsvorsitzender ans BIH gekommen sind, wussten Sie ja, dass diese Integration bevorsteht, daraus könnte man schließen, dass Sie sie befürworten?

Christopher Baum: Ja, ganz klar, die Universitätsmedizin lebt wesentlich davon, Forschung und Krankenversorgung eng miteinander zu verbinden. Die translationale Forschung resultiert direkt aus diesem Austausch, nicht nur wissenschaftlich, sondern auch emotional: Wir gehören zusammen, schaffen einen gemeinsamen Raum des Denkens und Handelns für die Patientinnen und Patienten, die neuartige Formen der Medizin dringend brauchen. Dabei agieren wir gemeinsam in Aktivitäten wie Clinician Scientist-Programmen, Technologietransfer oder der Entwicklung und Validierung wertorientierter Forschungsmethoden, wie wir sie im QUEST Center verfolgen. Nur gemeinsam sind wir nah am Geschehen, denn wir brauchen beide Perspektiven: die der aktuellen Versorgungsrealität und die der Medizin der Zukunft. Nur gemeinsam kommt es zur optimalen Stimulation des wissenschaftlichen Arbeitens und der Definition der bestmöglichen nächsten Schritte.

Seltmann: Sehen Sie auch Hürden, die es zu nehmen gilt?

Christopher Baum: Inhaltlich geht es darum, in der großen Vielfalt der möglichen Handlungsräume sich zu fokussieren auf die besonderen Stärken und Chancen, die wir in Berlin haben. Die Hürde besteht hier darin, dass wir nicht alle mitnehmen können, die Unterstützung erhoffen. Daher arbeiten wir auch an grundlegenden Technologieplattformen, die eine Bedeutung haben, die weit über einzelne Projekte hinausgeht. Eine weitere Herausforderung, die aber leicht beherrschbar ist, liegt in der Etablierung transparenter und funktionsgerechter Rechnungswege, um die Verwendung der Bundesmittel klar von den Aufgaben einer Landesuniversitätsmedizin abzugrenzen.

Seltmann: Wie selbständig wird das BIH nach der Integration in die Charité agieren können?

Christopher Baum: Absolut selbständig, wie jedes andere im 90/10-Modus von Bund und Land geförderte Forschungsinstitut. Wir verfügen über eine eigene Governance und einen eigenen Finanzhaushalt. Zugleich wird über die Verankerung meiner Position im Vorstand der Charité und über viele weitere Verbindungen sichergestellt, dass BIH und Charité maximale Synergie entwickeln werden, immer in Abstimmung mit dem Max-Delbrück-Zentrum als unserem privilegierten Partner.

Seltmann: Sie selbst werden nach der Integration Direktor des BIH sein und als solcher Mitglied im Vorstand der Charité sein, welche Rolle werden Sie dort einnehmen?

Christopher Baum: Im Vorstand der Charité werde ich primär die Interessen des BIH und des Bundes vertreten, um im Sinne der Widmung des BIH neue Wege der Translationalen Forschung zu gestalten. Gerne bringe ich mich auch in der Entwicklung und Umsetzung der Strategie der Charité ein, immer in enger Abstimmung mit den anderen Vorstandsmitgliedern.

Seltmann: Wie wird die Zusammenarbeit zwischen den drei Säulen gelingen, welche Voraussetzungen müssen dafür gegeben sein?

Christopher Baum: Das kann man am besten erklären, wenn man den Begriff der Säule nicht zu wörtlich nimmt und die Aufgabe des BIH eher als Strang betrachtet, den es mit den übrigen Kräften der Charité zu verflechten gilt, ohne dass der Strang seine Identität und Stärke verliert. Tatsächlich geht es um funktionelle Verzahnung, Kooperation, Wechselwirkung auf Augenhöhe, wobei die Aufgaben immer klar zugeordnet sind. Selbst im Clinician Scientist-Programm, das ja als Programm der Karriereförderung vom engen Miteinander der Forschung und Krankenversorgung lebt, können wir den BIH-Auftrag eindeutig aufzeigen. Gleiches gilt im Bereich der klinischen Forschungsprojekte. Beleg dafür ist u.a. die erfolgreiche Zusammenarbeit in der COVID-Forschung, wo wir unsere Plattformen für molekulare Diagnostik, klinische Forschung und digitale Wissenschaften einbringen, oder der Aufbau neuer Strukturen für nationale Netzwerke, wie das Nationale Krebszentrum NCT, an dem Charité und BIH künftig gemeinsam mitwirken werden.

Seltmann: Wie wird die Privilegierte Partnerschaft mit dem MDC aussehen?

Christopher Baum: Hierfür wurden bereits unter meinen Vorgängern sogenannte Fokusbereiche definiert, die ich gerne fortführe. Die sind klug gewählt. Dazu zählen die Bereiche Translationale Vaskuläre Biomedizin und die Einzellzellwissenschaften, die uns aufzeigen, wie komplex der Kosmos des Körpers aufgebaut ist und wie differenziert er bei Krankheit und Genesung reagiert. Auch agieren wir in enger Abstimmung mit dem MDC im Aufbau und der Weiterentwicklung der Technologieplattformen, der sog. Core Units, die Impulse aus der exzellenten Grundlagenforschung aufnehmen und auf höchstem technischem Niveau verfügbar machen.

Seltmann: Das BIH wird sich auf einige Fokusbereiche in der Forschung konzentrieren, eines davon wird die regenerative Medizin sein, ein Gebiet, in dem Sie sich auskennen, welche Chancen sehen Sie hier?

Christopher Baum: Die Medizin der Regeneration beruht dem Grunde nach auf der Entschlüsselung und Verfügbarmachung der Selbstheilungskräfte des Körpers. In der regenerativen Medizin werden genetische, zelluläre und technische Ansätze entwickelt und kombiniert, um angeborene oder erworbene Entwicklungsdefekte der Organe zu kompensieren oder sogar kausal zu heilen. Schlüsselfaktoren des BIH sind hierbei das BCRT und die enge Verflechtung mit nationalen und internationalen Akteuren, z.B. im Rahmen der Stammzelltechnologien über das GSCN. Ein wichtiger Meilenstein ist die gerade erfolgte Bewilligung des SFB 1444 zur Knochenregeneration. Ein solch exzellentes Niveau haben wir auch im Bereich anderer Therapieoptionen, beispielsweise der Regeneration der Immunantwort oder des Nerven- und Muskelsystems.

Seltmann: Die Integration des BIH ein Schritt in die richtige Richtung auch für die Gesundheitsstadt Berlin?

Christopher Baum: Ja, da gehen wir sehr gerne mit. Man braucht die große Dynamik, kritische Masse und internationale Agilität dieser großartigen Stadt, um vorne mitspielen zu können in der Forschung und für die Patientinnen und Patienten möglichst viel Gutes zu schaffen. Die vielen überaus leistungsfähigen Forschungseinrichtungen Berlins und des erweiterten Berliner Raums, gerne auch in gut abgestimmter Interaktion mit der privaten Wirtschaft, sind wie Künstler eines Orchesters, das sich auf die nächste Partitur freut. Eine Partitur, die alle Spieler zusammenführt und alle benötigt. Gesundheitsstadt Berlin ist ein Motiv, das hierfür sehr gut funktioniert.

Und das war der BIH-Podcast „Aus Forschung wird Gesundheit“ aus dem Berlin Institute of Health, dem BIH. Professor Christopher Baum erklärte, warum die Integration des BIH in die Charité ein Glück für alle Beteiligten ist. Falls auch Sie eine Frage zur Gesundheit oder zur Gesundheitsforschung haben, schicken Sie sie gerne an podcast@bihealth.de Tschüss und bis zum nächsten Mal sagt Stefanie Seltmann.