Vaskuläre Biomedizin

Fehlfunktionen des Gefäßsystems spielen eine zentrale Rolle bei vielen Erkrankungen wie Schlaganfall, Herzinfarkt sowie Krebs und Metastasierung – insgesamt stehen diese Pathomechanismen für den überwiegenden Anteil der Morbiditäts- und Mortalitäts-Faktoren weltweit. Innerhalb vaskulärer Fehlfunktionen ist traditionell der primäre Fokus auf Erkrankungen der großen Gefäße, besonders der Arterien (Arteriosklerose) gelegt worden. Hier sind in den letzten Jahrzehnten präventiv, interventionell und medikamentös große Fortschritte erzielt worden.  

Es wird jedoch zunehmend deutlich, dass ganz wesentliche Pathologien und Erkrankungen auf Pathomechanismen in kleineren Gefäßen in terminalen Gefäßbetten und der Mikrozirkulation beruhen. Beispiele hierfür sind die sogenannte ‚vascular dementia‘, Tumor-Wachstum und -Metastasierung, diastolische Herzinsuffizienz (HFpEF, heart failure with preserved ejection fraction)‚ und Angina pectoris with normal coronary arteries (cardiac syndrome X, Microvascular Angina MVA). Für MVA haben klinische Studien eine Prävalenz von bis zu 40% bei Patient*innen mit Angina Symptomatik gezeigt. Jüngere Erkenntnisse zeigen darüber hinaus die Bedeutung von (mikro-) vaskulären Mechanismen für zahlreiche weitere Erkrankungen, die durch mangelnde oder fehlerhafte Durchblutung bedingt sind (z.B. chronische Nierenerkrankungen) sowie für systemische Reaktionen bei der Immunantwort und bei Entzündungen. Somit ist die vaskuläre Biomedizin ein typischer Querschnittsbereich mit hoher systemmedizinischer Relevanz und von großer gesundheitspolitischer und gesellschaftlicher Bedeutung.

Das BIH will durch den Fokus ‚Vaskuläre Biomedizin‘ gemeinsam mit dem MDC das offensichtliche Defizit an mechanistisch-translationalen Ansätzen in diesem Bereich adressieren. Der Fokus-Bereich verfolgt das Ziel, die translationalen Forschungsaktivitäten auf diesem Gebiet in Berlin zu bündeln und durch gezielte Rekrutierungen auszubauen, um Organ- und System-übergreifend (Kardiologie, Neurologie, Onkologie und Immunologie) neue Ansätze für Prävention, Diagnose und Therapie anhand neuer pathophysiologischer Einsichten zu entwickeln.