Translationale Forschung und Systemmedizin

Die Leitidee des Berlin Institute of Health ist die Verschränkung von translationaler Forschung mit dem übergreifenden Ansatz der Systemmedizin. Das bedeutet: Forschungserkenntnisse aus der Grundlagenforschung werden schneller und gezielter in für Menschen nützliche medizinische Therapien, Diagnostik und Prävention übersetzt und klinische Beobachtungen werden schneller in die Grundlagenforschung transferiert. Oder anders gesagt: Es erfolgt ein Wissenstransfer “from bench to bedside and from bedside to bench”. Dabei können die Forschungsergebnisse aus unterschiedlichen Fachgebieten stammen – aus Medizin, Biologie, Chemie, aber auch aus Physik, Mathematik, IT oder den Sozialwissenschaften.

Systemmedizinische Forschung beschreibt eine Vorgehensweise, bei der molekulare Mechanismen der Lebensvorgänge im Menschen auf integrative Weise erforscht werden. Anstatt Krankheiten als Fehlfunktion von einzelnen Zellen oder Organen zu begreifen, werden übergreifende Abläufe und Vorgänge in den Blick genommen, die sowohl Gesundheit als auch Krankheit des Menschen beeinflussen. Ein Krankheitsbild kann mehrere molekulare Ursachen haben, und umgekehrt kann ein Defekt auf molekulare Ebene unterschiedliche Krankheiten auslösen. Zum Beispiel können entzündliche Erkrankungen verschiedene Organe betreffen – die Haut, den Darm oder die Lunge.

Translation und Systemmedizin am Berliner Institut für Gesundheitsforschung bedeuten, dass wir den wechselseitigen Austausch zwischen biomedizinischer Grundlagenforschung, klinischer Forschung und ärztlicher Praxis sicherstellen wollen. Zudem verstehen wir darunter den Auftrag, wissenschaftliche und technologische Fortschritte in der Systemmedizin für klinische Präventionsmaßnahmen, Diagnosen und Therapien nutzbar zu machen.

Forschungsprogramme

Um unsere zwei Schwerpunkte abzubilden, konzentriert sich die BIH-Forschung auf zwei Programme:

Personalisierte Medizin für fortschreitende Krankheiten

Wir müssen verstehen, wie fortschreitende Krankheiten generell und auch im Einzelfall entstehen. Erst dann können wir entsprechende Behandlungsmethoden entwickeln.

Ziele: Entwicklung und Anwendung von besseren Markern und Modellen, um fortschreitende Krankheiten und deren individuell unterschiedlichen Verläufe besser verstehen und vorhersagen zu können.

Ansatz: Interdisziplinäre Arbeitsgruppen werden modernste systemmedizinische Techniken nutzen, um die Rolle und das Zusammenspiel defekter biologischer Systeme in fortschreitenden Krankheiten zu erforschen. Dieser Ansatz ist einzigartig, weil er sich auf eine umfassende, tiefe Charakterisierung der Patientinnen und Patienten, umfang- reiche Studien zum Aufbau und Zusammenspiel biologischer Systeme sowie großangelegte Datenanalysen stützt.

Entwicklung: Die Forschungsinitiativen innerhalb des Programms werden durch gezielte Finanzierung, Infrastruktur und die Rekrutierung von Forscherinnen und Forschern gefördert.

Neuartige Therapien für fortschreitende Krankheiten

Neuartige Therapien wie Nano-, Gen- und Zelltherapien besitzen ein riesiges Potenzial, um das Leben von Menschen mit fortschreitenden Krankheiten zu verbessern. Diese Methoden können beispielsweise helfen, beschädigtes Gewebe zu ersetzen oder zu regenerieren.

Ziel: Mithilfe interdisziplinärer Forschung die Förderung und Entwicklung neuartiger Therapietechnologien und deren personalisierte Anwendung bei Patientinnen und Patienten mit fortschreitenden Krankheiten voranzutreiben.

Ansatz: Die Forschungsinitiativen werden sich auf die Entwicklung neuartiger Therapien konzentrieren. Sie sollen zum einen helfen, beschädigtes Gewebe zu ersetzen oder zu regenerieren und Stammzellen so zu verändern, dass damit seltene genetische Störungen behandelt werden können. Außerdem sollen sie in der zellbasierten personalisierten Immuntherapie gegen Krebs eingesetzt werden.

Entwicklung: Am BIH, der Charité und am MDC wird längst zu neuartigen Therapien geforscht, besonders zu regenerativen Therapien und Immuntherapien gegen Krebs. Das BIH wird diese Bereiche weiter zusammenführen und weiterentwickeln. Dabei geht es vor allem darum, modernste wissenschaftlich- technologische Einheiten gezielt weiter zu fördern sowie neue Forscherinnen und Forscher zu gewinnen.

Forschungsplattformen

Die vier Forschungsplattformen des BIH verankern zentren-ähnliche Einheiten, in denen innovative Technologien, Verfahren und Forschungsstrukturen entwickelt werden, um die beiden Forschungsprogramme zu unterstützen. Jede Plattform wird auf bereits bestehenden Einrichtungen aufgebaut oder vereinigt diese im translationalen Forschungsraum und interagiert darüber hinaus mit weiteren Abteilungen der Charité und des MDC. Die vier Plattformen konzentrieren sich auf folgende Schwerpunkte: