Forschungsplattform Multiskalen-Genomik

Seit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Jahr 2003 das menschliche Genom endgültig entschlüsselt haben, hat sich die Genomforschung fast explosionsartig weiterentwickelt. Mittlerweile kann die DNA eines Menschen für weniger als 1.000 Euro sequenziert werden. Medizinerinnen und Mediziner können anhand unserer Gene vorhersagen, ob wir für bestimmte Krankheiten anfällig sind oder ob bestimmte Therapien bei uns anschlagen. Diese Entwicklungen bedeuten gleichzeitig riesige Forschungsmöglichkeiten – Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können Modelle mit mehreren Ebenen molekularbiologischer und klinischer Daten nutzen. So können sie untersuchen, wie Gene und jene Mechanismen, die ihre Funktion kontrollieren, Krankheiten beeinflussen (Multiskalen-Genomik).

Verschiedene Forschungseinheiten des BIH und seiner Körperschaften forschen und arbeiten bereits auf diesem Gebiet. Das sind die idealen Voraussetzungen für einen gemeinsamen „Berliner Ansatz“ für eine translationale Multiskalen-Genomik. Daher will das BIH eine Forschungsplattform für Multiskalen-Genomik einrichten, die neben Abteilungen der Charité und des MDC ein Zentrum Medizinische Genomik verankert. Das Zentrum soll mehrere Kompetenzen vereinen: eine Einheit für die medizinische Genomforschung, um die genetischen Ursachen von Krankheiten zu erforschen. Außerdem eine gemeinsame Einheit für die Systemmedizin, die Multiskalen-Genomik und die Bioinformatik, um Krankheitsursachen zu untersuchen. Und eine Einheit, um die Rolle der Mikroorganismen zu untersuchen – bei gesunden und kranken Menschen. Diese werden auf existierenden BIH-Einrichtungen errichtet und durch einen neuen Chair und fünf BIH-Professuren ergänzt – aus den Fachgebieten Populationsgenetik, genetische Epidemiologie und Systembiologie. Ziel dieser Plattform ist es, eine herausragende Rolle in der translationalen Genomik und personalisierten Medizin zu erreichen.