Einstein BIH Visiting Fellows

Nichts ist so bereichernd wie Impulse von außen. Das gilt für viele Lebens- und Arbeitsbereiche und auch für die translationale und systemmedizinische Forschung. Um international wettbewerbsfähig zu sein, setzt das BIH auf international erfahrene Top-WissenschaftlerInnen. BIH Einstein Visiting Fellows stärken die BIH-Forschung in mehreren wichtigen Disziplinen.

2016

Prof. Dr. Brian Kobilka

Stanford University, USA

Gastgeber: PD Dr. Peter Hildebrand & Prof. Dr. Christian Spahn (Charité)

Forschungsprojekt: "In silico GPCR: 'A computational microscope to determine receptor – G protein coupling specificity and functional selectivity' "

Prof. Dr. David Gutmann

Washington University School of Medicine, USA

Gastgeber: Prof. Dr. Helmut Kettenmann (Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin)

Forschungsprojekt: "Biology and treatment strategies of low-grade gliomas"

Prof. Dr. Mario Nicodemi

Universität Neapel, Italien

Gastgeberin: Prof. Dr. Ana Pombo (Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin)

Forschungsprojekt: "Understanding chromatin folding and gene regulation in disease associated genomic rearrangements"

 

Mehr Informationen zu Prof. Gutmann und Prof. Nicodemi finden Sie in der Meldung "Drei Gastwissenschaftler verstärken BIH-Forschung"

Informationen zu Prof. Kobilka finden Sie in der Meldung der Stiftung Charité: "Nobelpreisträger baut neues Labor in Berlin auf: Stiftung Charitße ernennt Brian Kobilka zu Einstein BIH Visiting Fellow"


2015

Prof. Dr. Rolf Bodmer, PhD

Sanford Burnham Prebys Medical Discovery Institute, USA

Als Einstein BIH Visiting Fellow will Rolf Bodmer mit Hilfe von Fruchtfliegen am Berlin Institute of Health Gene identifizieren, die für erblich bedingte Herzkrankheiten verantwortlich sind. Der Biochemiker und Neurobiologe vom Sanford-Burnham Medical Research Institute, La Jolla promovierte in Biochemie und Neurobiologie an der Universität Basel. Weitere Stationen führten ihn bisher nach New York, San Francisco und an die Universität von Michigan.

Gastgeberin: Prof. Dr. Silke Rickert-Sperling (MDC)

Prof. Bassem Hassan, PhD

University Leuven, Netherlands

Der belgische Neurowissenschaftler Bassem Hassan von der Katholieke Universiteit Leuven will erforschen, wie sehr die Entwicklung des Gehirns genetisch bedingt ist oder von anderen Einflüssen abhängt. Seine Berliner Arbeitsgruppe am Berlin Institute of Health untersucht hierzu Unterschiede in der Vernetzungsfähigkeit von neuronalen Schaltkreisen und deren Einfluss auf das Verhalten. Um relevante Gene zu identifizieren werden molekulargenetische Ansätze und hochauflösende bildgebende Verfahren zum Einsatz kommen.

Gastgeber: Prof. Dr. Christian Rosenmund (MDC)

Prof. Dr. Ulrich Müller, PhD

Scripps Research Insitute, USA

Ulrich Müller wird in seiner Forschungsgruppe in Berlin die Mechanosensorik von Haarzellen untersuchen, die beispielsweise im Innenohr einen wichtigen Beitrag zum menschlichen Hörvermögen leisten. Sie wandeln akustische Stimuli in elektrische Signale um, wobei ihre Defekte bis zur Taubheit führen können. Der Hörforscher vom The Scripps Research Institute, La Jolla promovierte an der Universität zu Köln und an der Princeton University in Biologie.

Gastgeber: Dr. Thomas Sommer (MDC)

Ulrich Müller erzählt mehr über seine Forschung im Kurzvideo "The Language of the Brain" bei Youtube.

Hinweis: Diese Informationen sind den Seiten der Einstein Stiftung entnommen.


2014

Florian Sennlaub

Im Oktober 2014 wurde Florian Sennlaub als Einstein BIH Visiting Fellow ausgewählt. Er forscht am Institut de la Vision in Paris. Sennlaub ist Spezialist auf den Gebieten Augenheilkunde und Immunbiologie. Das Projekt, das er im Rahmen des Fellowships betreut, stellen wir in einem Steckbrief vor:

"Signaling at the blood/retina barrier in the recruitment of macrophages and accumulation in retinal disease"

Florian Sennlaub. Foto: Institut de la Vision

Der Einstein BIH Visiting Fellow: Prof. Florian Sennlaub MD PhD ist Ophthalmologe. Seit 2005 lebt und arbeitet er in Paris, seit 2012 ist er als Gruppenleiter am Institut de la Vision tätig. Er ist führend in der Erforschung der Rolle der Makrophagen (weiße Blutkörperchen) bei retinalen Degenerationen (Netzhauterkrankungen). So deckte er Veränderungen im Immunprivileg des Auges bei altersbedingten Makuladegenerationen (AMD) auf, die für den Zugang von in anderen Regionen des Organismus gebildeten Makrophagen in das Auge verantwortlich sind. Dieser Zusammenhang spielt auch für das Berliner Vorhaben eine zentrale Rolle.

Der BIH-Gastgeber: Sein Kooperationspartner und "Gastgeber" auf Berliner Seite ist Prof. Dr. Olaf Strauß, Gruppenleiter in der Experimentellen Ophthalmologie der Klinik für Augenheilkunde an der Charité. Die Pathophysiologie, also krankhafte Veränderungen des retinalen Pigmentepithels (RPE), das sich zwischen Netzhaut und dem Augeninneren befindet,

sind sein Forschungsschwerpunkt. Gemeinsam mit einer Gruppe am MDC untersucht er Rattenmodelle mit systemisch induzierten Netzhautdegenerationen. Diese werden auch im Projekt unter der Hypothese eingesetzt, dass die Interaktion zwischen Makrophagen und RPE eine entscheidende Rolle spielt.

Das Thema des Forschungsvorhabens: Die häufigsten Alterserkrankungen sind Augenleiden. Wegen der demographischen Entwicklung wird in Zukunft die Augenheilkunde den stärksten Zuwachs an Patientinnen und Patienten verzeichnen. Die am häufigsten auftretenden Erkrankungen des Auges sind AMD und diabetische Retinopathie (DR), beides Degenerationen der Netzhaut. Für die Entstehung dieser Krankheiten spielen Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Aktivierung des Immunsystems zentrale Rollen. So repräsentieren das Auge und vor allem die Retina sowie der subretinale Raum einen immunprivilegierten Bereich. Er wird durch die immunsuppressive Funktion der Zellen geschaffen, die die Blut/Retina-Schranke bilden, die RPE-Zellen. Im Vorhaben von Florian Sennlaub geht es schwerpunktmäßig um die Auslöser für die und die Folgen der krankheitsbedingten Beeinträchtigung der Immununterdrückung des Auges.

Das Ziel des Forschungsvorhabens: "Wir wollen neue pathogene Mechanismen entschlüsseln und damit neue Wege zur Behandlung dieser Krankheiten identifizieren", sagt Florian Sennlaub. Seine Arbeitsgruppe wird sich dabei insbesondere der Frage widmen, welche Prozesse sich im RPE abspielen, die zu Degenerationen der Netzhaut beitragen könnten. Hierbei steht die durch systemisch rekrutierte Makrophagen ausgelöste zelluläre Immunreaktion im Mittelpunkt. Deren Rolle für die Degeneration der Retina bei verringerter Immunkontrolle soll im Projekt nachgewiesen und Krankheitsursachen für Netzhautverkümmerungen des Auges gefunden werden.

Der translationale Ansatz: "Eine zentrale, unserem Projekt zugrunde liegende Idee ist, das Auge nicht mehr isoliert vom Körper zu betrachten, so wie es in der klassischen medizinischen Lehre gehandhabt wird", sagt Florian Sennlaub. Ein wichtiges Thema, das die Forscher adressieren wollen, ist die Frage, wie Hypertonie retinale Degenerationen beschleunigen kann.

Die Arbeitsgruppe: Seit Juli 2015 arbeitet Dr. Christophe Roubeix als Postdoc für die Arbeitsgruppe in Berlin, sie wird komplettiert durch die Technische Assistentin Gabriele Fels. Florian Sennlaub kommt regelmäßig nach Berlin, um die Fortschritte zu begutachten und das Team zu beraten. Basis sind in Berlin Rattenmodelle für Typ II Diabetes und Hypertonie, beide weisen Degenerationen der retinalen Ganglienzellen (spezialisierte Nervenzellen) auf. Hinzu kommt ein AMD-Mausmodell in Paris. Die Mausmodelle werden unter anderem dazu genutzt zu untersuchen, ob Makrophagen aus der Milz anders als Makrophagen aus dem Knochenmark agieren. Außerdem werden die Signalwege von Makrophagen in vitro untersucht.

Michael Sieweke: "Control of macrophage numbers by endogenous self renewal mechanisms"

Michael Sieweke. Foto: Jean-Marie HURON

Der Einstein BIH Visiting Fellow: Seit Januar 2015 ist Dr. Michael Sieweke PhD BIH Einstein Visiting Fellow; über einen Zeitraum von zunächst drei Jahren weilt er regelmäßig in Berlin, um eine Arbeitsgruppe aufzubauen und zu betreuen. Seit 2012 leitet der Immunologe die MDC-Arbeitsgruppe „Stammzell- und Makrophagenbiologie“. Sie hat ihren Sitz am Centre d'Immunologie de Marseille-Luminy (CIML) in Südfrankreich und schloss sich dem MDC im Herbst 2012 als Teil der Helmholtz-INSERM-Initiative zur deutsch-französischen Zusammenarbeit an. 2013 fand Michael Sieweke heraus, dass blutbildende Stammzellen nicht nur laufend die Produktion aller Arten von Blutzellen sicherstellen; in Notsituationen – etwa bei Krankheiten – können sie Makrophagen „auf Abruf“ herstellen und dem Körper so dabei helfen, mit

Entzündungen oder Infektionen fertig zu werden. Um Makrophagen geht es auch schwerpunktmäßig in dem Projekt, das Sieweke gemeinsam mit Klaus Rajewsky vom MDC im Rahmen des Fellowships initiiert hat.

Der BIH-Gastgeber: Prof. Dr. Klaus Rajewsky leitet seit 2011 die MDC-Forschungsgruppe „Immunregulation und Krebs“. Der 1936 geborene und vielfach ausgezeichnete Forscher ist einer der einflussreichsten Immunologen und Genetiker Deutschlands. So legte er unter anderem grundlegende Arbeiten über die Entwicklung und Funktion der B-Zellen vor, den Antikörperfabriken des Immunsystems. Mitte der 1990er Jahre war es ihm zusammen mit seinem Team gelungen, B-Zellen als Ursprungszellen des Hodgkin-Lymphoms, des häufigsten Lymphdrüsenkrebses, zu identifizieren. In den neunziger Jahren entwickelte Klaus Rajewsky eine Technik, mit der in Mäusen gezielt Gene in bestimmten Geweben und zu bestimmten Zeitpunkten aus- und eingeschaltet werden. Sie zählt heute zu den wichtigsten Methoden, der Funktion von Genen und deren Rolle bei der Entstehung von Krankheiten auf die Spur zu kommen, und wird auch im gemeinsamen Forschungsprojekt zu Makrophagen genutzt.

Das Thema des Forschungsvorhabens:
Makrophagen sind „Immunzellen“ des Körpers und haben bei der Abwehr von Erregern vielfältige Funktionen inne. Darüber hinaus sind sie aber auch wichtig für den Erhalt und die Regeneration von Geweben. Gerade um diese gewebe-erhaltenden Funktionen der Makrophagen, speziell in der Lunge, geht es im Fellowship-Projekt von Sieweke und Rajewsky: In-vivo-Versuche sollen zeigen, unter welchen Bedingungen sich diese Makrophagen erneuern, über welche Signalwege sie gesteuert werden und wie sie manipuliert werden könnten, um die Zahl der Makrophagen bei bestimmten Krankheiten des Organs gezielt zu vermehren.

Das Ziel des Forschungsvorhabens: „Für viele Krankheitsbilder der Lunge gibt es zurzeit keine Heilung, höchstens Linderung. Die Makrophagen haben dabei eine zentrale Aufgabe, denn bei diesen Krankheiten, etwa bei der Pulmonalen Alveolarproteinose (PAP), verringert sich die Zahl dieser Zellen rasant, und die Makrophagen können ihre erhaltende und regenerative Funktion nicht mehr ausüben“, berichtet Michael Sieweke. Die Forscher wollen für verschiedene Lungenkrankheiten neue Wege zur Behandlung finden, die sich auf Makrophagen als Zielobjekte therapeutischer Intervention stützen.

Der translationale Ansatz: „Wir arbeiten mit dem CRISPR/Cas-System, einer neuartigen Methode des Genome Editings. Mit dessen Hilfe wollen wir die Makrophagen in einer Weise beeinflussen, aus der wir gezielt neue therapeutische Ansätze entwickeln können. Dabei dürften sich unsere Ergebnisse auch auf andere Krankheitsbilder übertragen lassen. Die CRISPR/Cas -Methode ist im Labor von Klaus Rajewsky bestens etabliert“, sagt Michael Sieweke.

Die Arbeitsgruppe: „Die Konstellation in Berlin, mit den Möglichkeiten, die das MDC bietet, ist einzigartig“, sagt Michael Sieweke. Seit April 2015 ist ein Senior Postdoc für das Fellowship-Projekt tätig; er arbeitet im Team von Klaus Rajewsky. Michael Sieweke kommt regelmäßig – etwa alle drei Monate – für mindestens zehn Tage nach Berlin, um das Projekt mit voranzutreiben. Sowohl in Frankreich als auch in Berlin wird mit neuen Mausmodellen gearbeitet, um Makrophagen der Lunge zu modifizieren.

Thomas Südhof

Mit Thomas Südhof konnten wir im Frühjahr 2014 einen Medizin-Nobelpreisträger als Gastwissenschaftler gewinnen. Die Arbeitsgruppe um Christian Rosenmund von der Charité untersucht gemeinsam mit Südhof, der an der Stanford Universität in Kalifornien forscht und lehrt, wie Nervenzellen bei Krankheiten interagieren. Im November kam der Nobelpreisträger zu einem ersten Arbeitsbesuch an das BIH. In Amerika hat er damit begonnen, die Rolle mutierter Proteine bei der synaptischen Übertragung von Informationen zu untersuchen. Gemeinsam mit Rosenmunds Arbeitsgruppe werden diese Untersuchungen weiter vertieft, um genauer verstehen zu können, wie diese Proteinveränderungen zur Entstehung und Entwicklung verschiedener Krankheitsbilder beim Menschen beitragen. Auf Basis dieser Arbeiten werden künftig ganzheitlichere Betrachtungen von neurologischen Mechanismen möglich sein, die auch für andere BIH-Forschungsprojekte relevant sind.

Im Rahmen des Fellowships von Thomas Südhof werden auch mehrere wissenschaftliche MitarbeiterInnen der Charité-Arbeitsgruppe von Christian Rosenmund in Standford in der Stammzelltechnologie ausgebildet. Damit profitiert die Forschung am BIH auf verschiedene Weise vom Know-how der amerikanischen Experten.