Präklinische systematische Reviews und Meta-Analysen

Unser Team, CAMARADES (Collaborative Approach to Meta-Analysis and Review of Animal Data from Experimental Studies), nutzt präklinische systematische Reviews und Meta-Analysen, um Herausforderungen in der translationalen biomedizinischen Forschung zu untersuchen. Präklinische systematische Reviews und Meta-Analysen sind Instrumente der Metaforschung. Sie bieten eine Zusammenfassung der Forschungsergebnisse auf einem wissenschaftlichen Gebiet und ermöglichen eine Beurteilung sowohl des Umfangs als auch der Qualität der verfügbaren Erkenntnisse, einschließlich der Wahrscheinlichkeit, dass die Ergebnisse von Verzerrungen, sog. Bias, betroffen sind. Die Ergebnisse können uns helfen, Verbesserungspotenziale in der präklinischen Forschung zu identifizieren und die Entwicklung von Strategien zur Bewältigung dieser Herausforderungen zu unterstützen.

Darüber hinaus können präklinische systematische Reviews helfen eine Vielzahl an Erkenntnissen zu generieren:

  • Identifizierung von Lücken in einem Wissenschaftsfeld
  • Bewertung von Publikationsverzerrungen
  • Erklärung von Diskrepanzen zwischen präklinischen und klinischen Studienergebnissen
  • Beeinflussung von Designs klinischer Studien
  • Beeinflussung von 3R Entscheidungen (Replacement, Reduction, and Refinement beim Einsatz von Tieren in der Forschung)

Um mehr über präklinische systematische Reviews und Meta-Analysen zu erfahren, sehen Sie sich gerne hier unsere bevorstehenden Workshops an.

Um Ihr eigenes präklinisches systematisches Review tiefergreifend zu diskutieren, kontaktieren Sie unsere Beratungsstelle unter: CAMARADES.berlin@charite.de

Wir konzentrieren uns in erster Linie auf die Überprüfung von Daten aus Studien mit Tiermodellen von Schlaganfällen und anderen neurologischen Erkrankungen und haben eine Reihe von laufenden Projekten:

Docosahexaensäure zur Behandlung des akuten Schlaganfalls: eine systematische Literaturübersicht und Metaanalyse

Derzeit sind die einzigen zugelassenen Therapien für den ischämischen Schlaganfall die Auflösung oder Entfernung eines Blutgerinnsels. Bei vielen Patient*innen können diese Therapien jedoch nicht angewandt werden. Auch profitieren viele Patient*innen nicht von diesen Therapien, so dass sich die Forschung darauf konzentriert, neue Behandlungsmethoden zu finden. DHA, eine Omega-3-Fettsäure, ist einer der wichtigsten Bausteine des Gehirns. Es ist für das normale Wachstum und die normale Funktion des Gehirns unerlässlich. Um das benötigte DHA-Level ein Leben lang zu erhalten, werden Nahrungsquellen (z.B. Fisch, Fischöle) benötigt. Tierversuche deuten darauf hin, dass eine akute DHA-Verabreichung möglicherweise das Gehirn nach einem Schlaganfall schützen kann. In diesem Projekt wird untersucht, ob es genügend präklinische Evidenz gibt, um eine klinische Studie der DHA-Verabreichung zur Behandlung von ischämischen Schlaganfällen zu legitimieren.

Das Protokoll für dieses Projekt finden Sie hier.

Effektivität biomaterial-basierter, kombinatorischer Strategien zur Wiederherstellung der Rückenmarksfunktion nach experimenteller Läsion: Eine systematische Untersuchung und Metaanalyse der präklinischen Literatur

Traumatische Rückenmarksverletzungen (Spinal Cord Injury - SCI) führen häufig zu Lähmungserkrankungen, für die es bisher keine Therapien gibt. Um die komplexen Schäden zu adressieren, die aus diesen Verletzungen folgen, ist eine Kombinationsstrategie aus neuen Therapieansätzen erforderlich, wie inzwischen anerkannt ist. Biomaterialien können im Rahmen einer Kombinationstherapie eingesetzt werden, um die verletzte Stelle in der Wirbelsäule zu überbrücken, strukturelle Unterstützung zu leisten und als Depot für Zellen, Moleküle und Medikamente zu dienen. Dieses Projekt untersucht mittels Literaturanalyse die vielversprechendsten Eigenschaften von Biomaterialien, die in Modellen von SCI getestet wurden, um Erkenntnisse für die zukünftige Forschung über biomaterial-basierte Therapien zu liefern.

Das Protokoll für dieses Projekt finden Sie hier.

Präklinisches systematisches Review und Meta-Analyse über die Auswirkungen von Alter und Komorbiditäten auf den Schlaganfall und die Wirksamkeit der Schlaganfallbehandlung

Ergebnisse aus Tiermodellen in der Schlaganfallforschung können oft nicht in einen klinischen Nutzen für den Menschen umgesetzt werden. Die Fähigkeit, Forschungsergebnisse über das Labor hinaus verallgemeinern zu können, kann von einer Reihe von Faktoren beeinflusst werden. Darunter ist die Frage, wie gut wir relevante Patientenmerkmale modellieren. Der Schlaganfall betrifft in der Regel ältere Frauen und Männer, die häufig an Komorbiditäten wie Bluthochdruck und Diabetes leiden. Die am häufigsten von Forscher*innen eingesetzten Schlaganfallmodelle verwenden hingegen junge, gesunde, männliche Nagetiere. In-vitro-Schlaganfallexperimente, die ischämie-ähnliche Bedingungen anwenden, werden auch zur Untersuchung der Schlaganfallpathophysiologie und -behandlung eingesetzt. Diese Experimente werden häufig zur Planung von Tier- und Humanstudien herangezogen, obwohl ihre externe Validität bisher noch nicht systematisch untersucht worden ist.

Dieses Projekt untersucht die Auswirkungen der Modellierung von fortgeschrittenem Alter und Komorbiditäten auf den Schlaganfall und die Wirksamkeit der Behandlung in in-vitro-Tiermodellen von ischämischen Schlaganfällen. Ein wichtiges Merkmal dieses Projekts ist der Einsatz neuer Automatisierungswerkzeuge wie maschinellem Lernen und Text-Mining. Dies soll helfen die Genauigkeit und Geschwindigkeit des Reviews zu steigern und soll zur Weiterentwicklung und Validierung dieser Werkzeuge beitragen.

Die projektbezogenen Protokolle können unter den folgenden Links aufgerufen werden:

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Initiative Konfirmatorische Präklinische Studien und Systematische Reviews unterstützt.

Identifizierung von Schlaganfalltherapeutika aus präklinischen Modellen: Eine neuartige Anwendung der Netzwerk-Meta-Analyse

Über 1.000 potenzielle neuroprotektive Therapeutika wurden bisher in präklinischen ischämischen Schlaganfallmodellen untersucht. Es ist wichtig, robuste Methoden der Evidenzsynthese zu verwenden, um angemessen beurteilen zu können, welche Therapien zur Bewertung der Wirksamkeit und Sicherheit im Menschen in klinischen Studien untersucht werden sollten. Diese Studie verwendet eine systematische Literaturrecherche, um geeignete Studien zu identifizieren und zu bewerten sowie eine Netzwerk-Meta-Analyse, um die verfügbare Evidenz zu synthetisieren. Dabei geht es um die Untersuchung des relativen Nutzens konkurrierender Therapien, die in Kombination mit der Goldstandardbehandlung, Alteplase, getestet wurden, um das Schlaganfallergebnis in präklinischen in-vivo-Modellen des fokalen ischämischen Schlaganfalls zu verbessern.

Das Protokoll für dieses Projekt finden Sie hier.

Netzwerk-Meta-Analyse (NMA) der Neuroprotektion durch Anästhetika in präklinischen Schlaganfallmodellen

Unsere Fähigkeit, Ergebnisse vielversprechender Tierversuche in klinische Behandlungen für den ischämischen Schlaganfall umsetzen zu können, kann durch das experimentelle Design des Tierversuchs beeinträchtigt werden. Oft wird der Schlaganfall bei narkotisierten Tieren modelliert, aber Patient*innen stehen selten unter dem Einfluss von Anästhetika, wenn sie einen Schlaganfall erleiden. Da Anästhetika möglicherweise intrinsische neuroprotektive Eigenschaften haben, birgt ihr Einsatz das Risiko, Ergebnisse von Tierversuchen, die neue Behandlungsmethoden testen, zu verfälschen und damit die Translation zum Patienten zu verhindern. Ein systematisches Review hat die neuroprotektive Wirkung von Anästhetika bei Tieren auf ca. 30% geschätzt. Die Netzwerk-Meta-Analyse ist eine relativ neue Analysetechnik, welche die Möglichkeit bietet, die neuroprotektive Wirksamkeit verschiedener Anästhetika zu vergleichen und dadurch zukünftige experimentelle Designs zu informieren.

Das Protokoll für dieses Projekt finden Sie hier.