Präklinische systematische Reviews und Meta-Analyse

Präklinische systematische Reviews und Meta-Analyse sind Instrumente der Metaforschung, mit denen wir einige der Herausforderungen der translationalen biomedizinischen Forschung untersuchen. Sie bieten eine Zusammenfassung der Forschungsergebnisse auf einem Gebiet und ermöglichen eine Beurteilung sowohl des Umfangs als auch der Qualität der verfügbaren Beweise, einschließlich der Wahrscheinlichkeit, dass die Ergebnisse von Verzerrungen, sog. Bias, betroffen sind. Die Ergebnisse können uns helfen, Verbesserungspotenziale in der präklinischen Forschung zu identifizieren und die Entwicklung von Strategien zur Bewältigung dieser Herausforderungen zu unterstützen.

Darüber hinaus können präklinische systematische Reviews helfen zur:

  • Identifizierung von Lücken in einem Feld
  • Bewertung von Publikationsverzerrungen
  • Erklärung von Diskrepanzen zwischen präklinischen und klinischen Studienergebnissen
  • Beeinflussung von Designs klinischer Studien
  • Beeinflussung von 3R Entscheidungen (Replacement, Reduction, and Refinement beim Einsatz von Tieren in der Forschung)

Wir konzentrieren uns in erster Linie auf die Überprüfung von Daten aus Studien mit Tiermodellen von Schlaganfällen und anderen neurologischen Erkrankungen und haben eine Reihe von laufenden Projekten:

Docosahexaensäure zur Behandlung des akuten Schlaganfalls: eine systematische Literaturübersicht und Metaanalyse

Derzeit sind die Auflösung oder Entfernung eines Blutgerinnsels die einzigen zugelassenen Therapien für den ischämischen Schlaganfall. Bei viele Patient*innen können diese Therapien jedoch nicht angewandt werden. Auch profitieren viele Patient*innen nicht von diesen Therapien, so dass sich die Forschung darauf konzentriert, neue Behandlungsmethoden zu finden. DHA, eine Omega-3-Fettsäure, ist einer der wichtigsten Bausteine des Gehirns. Es ist für das normale Wachstum und die normale Funktion des Gehirns unerlässlich. Um das benötigte DHA-Level ein Leben lang zu erhalten, werden Nahrungsquellen (z.B. Fisch, Fischöle) benötigt. Tierversuche deuten darauf hin, dass eine akute DHA-Verabreichung möglicherweise das Gehirn nach einem Schlaganfall schützen kann. In diesem Projekt wird untersucht, ob es genügend präklinische Evidenz gibt, um eine klinische Studie der DHA-Verabreichung zur Behandlung von ischämischen Schlaganfällen zu legitimieren.

Das Protokoll für dieses Projekt finden Sie hier.

Effektivität biomaterial-basierter kombinatorischer Strategien zur Wiederherstellung von Rückenmarksfunktion nach experimenteller Läsion - eine systematische Untersuchung und Metaanalyse der präklinischen Literatur

Traumatische Rückenmarksverletzungen (SCI) führen häufig zu Lähmungen, für die es bisher keine Therapien gibt. Es ist inzwischen allgemein anerkannt, dass zur Behebung der komplexen Schäden nach einer Verletzung eine Kombinationsstrategie aus neuen Therapien erforderlich ist. Biomaterialien können im Rahmen einer Kombinationstherapie eingesetzt werden, um die verletzte Stelle in der Wirbelsäule zu überbrücken, strukturelle Unterstützung zu leisten und als Depot für Zellen, Moleküle und Medikamente zu dienen. Dieses Projekt untersucht mittels Literaturanalyse die vielversprechendsten Eigenschaften von Biomaterialien, die in Modellen von SCI getestet wurden, um Erkenntnisse für die zukünftige Forschung über biomaterial-basierte Therapien zu liefern.

Das Protokoll für dieses Projekt finden Sie hier.

Präklinischer systematischer Review und Meta-Analyse der Auswirkungen von Alter und Komorbiditäten auf den Schlaganfall-Outcome und die Wirksamkeit der Behandlung

Ergebnisse aus Tiermodellen in der Schlaganfallforschung können oft nicht in einen klinischen Nutzen für den Menschen umgesetzt werden. Die Fähigkeit, Forschungsergebnisse über das Labor hinaus verallgemeinern zu können, kann von einer Reihe von Faktoren beeinflusst werden, darunter die Frage, wie gut wir relevante Patientenmerkmale modellieren. Der Schlaganfall betrifft Frauen und Männer, die meist ältere Menschen sind und oft an Komorbiditäten wie Bluthochdruck und Diabetes leiden. Die am häufigsten von Forscher*innen eingesetzten Schlaganfallmodelle verwenden dagegen junge, gesunde, männliche Nagetiere. In vitro Schlaganfall Experimente, die ischämieähnlichen Bedingungen anwenden, werden auch zur Untersuchung der Schlaganfallpathophysiologie und -behandlung eingesetzt. Diese Experimente werden häufig zur Planung von Tier- und Humanstudien herangezogen, obwohl ihre externe Validität bisher auch noch nicht systematisch untersucht worden ist.

Dieses Projekt untersucht die Auswirkungen der Modellierung von fortgeschrittenem Alter und Komorbiditäten auf das Schlaganfall Outcomes und die Wirksamkeit der Behandlung in Tier- und in vitro-Modellen von ischämischen Schlaganfällen. Ein wichtiges Merkmal dieses Projekts wird der Einsatz neuer Automatisierungswerkzeuge einschließlich maschinellen Lernens und Text-Mining sein, um die Genauigkeit und Geschwindigkeit des Reviews zu verbessern sowie um zur Weiterentwicklung und Validierung dieser Werkzeuge beizutragen.

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Initiative Konfirmatorische Präklinische Studien and Systematische Reviews unterstützt.

Identifizierung von Schlaganfalltherapeutika aus präklinischen Modellen: eine neuartige Anwendung der Netzwerk-Meta-Analyse

Über 1.000 potenzielle neuroprotektive Therapeutika wurden bisher in präklinischen ischämischen Schlaganfallmodellen untersucht. Es ist wichtig, robuste Methoden der Evidenz-Synthese zu verwenden, um angemessen zu beurteilen, welche Therapien zur Bewertung der Wirksamkeit und Sicherheit im Menschen in klinischen Studien untersucht werden sollten. Diese Studie verwendet systematische Reviews, um geeignete Studien zu identifizieren und zu bewerten, sowie eine Netzwerk-Meta-Analyse, um die verfügbare Evidenz zu synthetisieren. Dabei geht es um die Untersuchung des relativen Nutzens konkurrierender Therapien, die in Kombination mit der Goldstandardbehandlung, Alteplase, getestet wurden, um das Schlaganfallergebnis in präklinischen in vivo Modellen des fokalen ischämischen Schlaganfalls zu verbessern.

Das Protokoll für dieses Projekt finden Sie hier

Netzwerk-Meta-Analyse (NMA) der Neuroprotektion von Anästhetika in präklinischen Schlaganfallmodellen

Unsere Fähigkeit, Ergebnisse vielversprechender Tierversuche in klinische Behandlungen für den ischämischen Schlaganfall umsetzen zu können, kann durch das experimentelle Design des Tierversuchs beeinträchtigt werden. Oft wird der Schlaganfall bei narkotisierten Tieren modelliert, aber Patient*innen stehen selten unter dem Einfluss von Anästhetika, wenn sie einen Schlaganfall erleiden. Da Anästhetika möglicherweise intrinsische neuroprotektive Eigenschaften haben, birgt ihr Einsatz das Risiko, Ergebnisse von Tierversuchen, die neue Behandlungsmethoden testen, zu verfälschen und damit die Translation zum Patienten zu verhindern. Ein systematisches Review hat die neuroprotektive Wirkung von Anästhetika bei Tieren auf ca. 30% geschätzt. Die Netzwerk-Meta-Analyse ist eine relativ neue Analysetechnik, welche die Möglichkeit bietet, die neuroprotektive Wirksamkeit verschiedener Anästhetika zu vergleichen und das zukünftige experimentelle Design zu beeinflussen.

Das Protokoll für dieses Projekt finden Sie hier.