RE-PLACE — Implementierung des elektronischen Labor-Notizbuches als Instrument der Qualitätssicherung in der biomedizinischen Forschung

In den letzten Jahren verzeichnet die biomedizinische Forschung einen exponentiellen Anstieg wissenschaftlicher Publikationen. Kritiker stellen dieser Entwicklung die mangelnde Reproduzierbarkeit von Forschungsergebnissen gegenüber und beklagen ihren geringen Nutzen für Gesellschaft und Patient*innen. Ein mögliches Instrument der Qualitätssicherung stellt das ‚Electronic Laboratory Notebook‘ (ELN) als integralen Bestandteil eines transparenten Forschungsdatenmanagements in den Vordergrund.

Im BMBF-geförderten Verbundprojekt RE-PLACE wird die Implementierung des ELNs in der biomedizinischen Forschung wissenschaftlich begleitet. Das Vorhaben wird im Verbund Charité - Universitätsmedizin Berlin und Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg durchgeführt.

Aufgabe und Ziel der Untersuchung ist die evidenzbasierte Beurteilung des Wertes und Nutzens der ELN-Implementierung. Die Ergebnisse des Projektes bilden die empirische Grundlage für Entscheidungsprozesse zur Entwicklung zielgerichteter Steuerungsmaßnahmen im Hinblick auf gesellschaftliche Interessen wie die Sicherung von Forschungsprozessen und Forschungsdatenqualität.

Arbeitsplan

In Arbeitspaket 1 (AP1), Formative Evaluation, werden quantitative, prozessgenerierte ELN-Nutzerdaten und qualitative Daten aus Online-Surveys bzw. Interviews mit Wissenschaftler*innen erhoben und analysiert, um Erkenntnisse über die wesentlichen Struktur- und Prozessmerkmale der ELN-Implementierung zu gewinnen. In AP2 wird eine experimentelle Intervention vorgenommen, in der mehrere Szenarien der Einführung des ELNs verglichen werden. In AP3 werden Analysen und Ergebnisse der AP1 und AP2 zusammengeführt und einem Mixed-Methods-Ansatz folgend quantitative und qualitative Daten trianguliert. Auf der Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse wird in AP4 die summative Evaluation der ELN-Implementierung im BIH-Forschungsraum geplant und durchgeführt. In einem Online-Survey werden Wissenschaftler*innen, die ein ELN nutzen sowie Wissenschaftler*innen, die das traditionelle Laborbuch aus Papier verwenden, befragt.

Außerdem werden Experteninterviews durchgeführt. Im Rahmen der Auswertung der erhobenen quantitativen und qualitativen Daten werden intendierte als auch nicht intendierte Resultate und Wirkungen der ELN-Implementierung sowie externe Einflussfaktoren analysiert. In AP5 stehen Dissemination, Multiplikation und Transfer der Ergebnisse des Projektes im Fokus.

Das Teilvorhaben RE-PLACE-Charité übernimmt die Federführung in den AP1, 4 und 6. Die Federführung für AP2 liegt bei der OVGU Magdeburg. AP3 und 5 werden von beiden Teilvorhaben ausgeführt.

Geplante Ergebnisverwertung

Zu den wissenschaftlichen Ergebnissen von RE-PLACE zählen die Bereitstellung der empirischen Datengrundlage für die optimale Anpassung der ELN-Implementierung an die Bedarfe von Wissenschaftler*innen im Forschungsraum des Berlin Institute of Health (BIH) sowie die evaluative Beurteilung der Nachhaltigkeit und die evaluative Bewertung des Potentials des Programms, über die Grenzen des BIH-Forschungsraumes hinaus Wirkung zu entfalten.

Die Verwertung der Ergebnisse ist nicht auf biomedizinische Disziplinen beschränkt, sondern leistet darüber hinaus einen Beitrag zur Qualitätsentwicklung an der Schnittstelle von Forschung und Lehre. Die Erkenntnisse des Vorhabens werden von RE-PLACE in der Laborforschungspraxis für die Weiterentwicklung labordidaktischer Formate in der Lehre genutzt werden. Ein weiteres Ergebnis ist der Erkenntnisgewinn hinsichtlich der Wirkungszusammenhänge und der einflussnehmenden Struktur- und Umweltfaktoren der ELN-Implementierung.

Darüber hinaus erfolgt die Verwertung der Ergebnisse des Projektes durch ihre Verbreitung und Multiplikation. Zunächst in Form eines explizit an institutionelle Leitungsebenen in der akademischen Forschung und nationale Fördermittelgeber sowie die interessierte Fachöffentlichkeit gerichteten Transfer-Workshops. Darüber hinaus werden Fachpublikationen, eine Dissertation und Arbeitsmaterialien erstellt. Datenerhebungs-instrumente, Methodenberichte sowie Handlungsleitfäden werden im Repositorium SowiDataNet|datorium des GESIS - Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften bzw. im Forschungsdatenzentrum des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung veröffentlicht und auf diese Weise der Verwertung durch Dritte zugänglich gemacht.