STRUCTURES

Ein positives Verhältnis von potentiellen Nutzen und Schaden einer klinischen Studie ist ein fundamentales ethisches Prinzip und eine Grundvorrausetzung für die Genehmigung durch Behörden und Ethikkommissionen. Der Übergang von der präklinischen in die klinische Phase stellt einen besonders bedeutenden Schritt in der Entwicklungsphase neuer Arzneimittel dar, bei dem die Evaluation von Nutzen und Schaden mit besonderen Herausforderungen einhergeht.

Präklinische Studien bilden die Grundlage für die Planung und Zulassung früher klinischer Arzneimittelprüfungen (Phase I/II), einschließlich der Nutzen-Schaden-Abwägung. Dabei sind es neben Daten zur Sicherheit und Toxikologie des neuen Wirkstoffes auch präklinische Wirksamkeitsstudien, die eine Anwendung am Menschen überhaupt erst rechtfertigen („clinical promise“).

In den letzten Jahren haben verschiedene Studien auf Schwachstellen in der Praxis der translationalen Forschung hingewiesen. Diese betreffen vor allem die Qualität und Durchführung der präklinischen Studien.

STRUCTURES versucht anhand verschiedener empirischer Studien die Qualität, Struktur und Transparenz in der translationalen Forschung zu verbessern. Dazu werden unter Einbezug relevanter Stakeholder (u.a. Tierforscher, Regulierungsbehörden) praxisorientierte Ansätze und Governance-Tools entwickelt.

Im Rahmen von STRUCTURES werden zudem aktuell zwei Dissertationen angefertigt:

PhD-Projekt Sören Sievers (Medizinische Hochschule Hannover)
Gegenstand der Arbeit ist die aktuelle Rechtfertigungspraxis für klinische Studien. Sie untersucht die Qualität der Evidenz präklinischer Studien, die den Ethikkommissionen in Form einer Investigator‘s Brochure (IB) vorgelegt wird. Dabei liegt das Hauptaugenmerk darauf, inwieweit die dort berichteten Studien mit ihren Qualitätsmerkmalen eine Risiko-/Nutzen-Abwägung für die beantragte Forschung am Menschen erlauben. Nachdem bereits die Nutzen-Seite in Form von präklinischen Wirksamkeitsstudien beleuchtet wurde, findet hier die Risiko-Seite mit den präklinischen Sicherheitsstudien ihre Repräsentation.

PhD-Projekt Johannes Schwietering (Medizinische Hochschule Hannover)
Bevor eine klinische Studie zur Erforschung eines Arzneimittels an Menschen durchgeführt werden darf, muss eine Ethikkomission eine Risiko-Nutzen-Analyse erstellen. Dafür erhält die Ethikkomission von der jeweiligen Forschungsinstitution ein Dokument (Investigator’s Brochure), in dem alle existierende Evidenz zur Wirksamkeit, Sicherheit und Pharmakokinetik der zu untersuchenden Substanz gesammelt ist. In dem aktuellen Forschungsprojekt wird primär untersucht, ob die Qualität der Darstellung von frühen klinischen Studien in den Investigator’s Brochures eine Risiko-Nutzen-Analyse ermöglicht. Die Arbeit steht im engen Zusammenhang mit anderen Projekten zur Untersuchung einer guten Rechtfertigungspraxis von klinischen Studien.

Publikationen:

  • Langhof, Holger; Chin, William; Wieschowski, Susanne; Federico, Carole; Kimmelman, Jonathan; Strech, Daniel (2018): Preclinical efficacy in therapeutic area guidelines from the U.S. Food and Drug Administration and the European Medicines Agency: a cross-sectional study. British Journal of Pharmacology 175, 4229–4238, doi: 10.1111/bph.14485.
  • Strech, Daniel (2018): Präklinische Wirksamkeit? Wen schert´s? Laborjournal online 7-8/2018, 26-29
  • Wieschowski, Susanne; Chin, William; Federico, Carole; Sievers, Sören; Kimmelman, Jonathan; Strech, Daniel (2018): Preclinical efficacy studies in investigator brochures: Do they enable risk-benefit assessment? PLoS Biol. 2018 Apr 5;16(4):e2004879. doi: 10.1371/journal.pbio.2004879
  • Wieschowski, Susanne; Silva, Diego; Strech, Daniel (2016): Animal Study Registries: Results from a Stakeholder Analysis on Potential Strengths, Weaknesses, Facilitators, and Barriers. PLoS Biol. 2016 Nov 10;14(11):e2000391. doi: 10.1371/journal.pbio.2000391