Dialog an Deck: Chancen und Risiken von Gen- und Zelltherapien

Das Berlin Institute of Health in der Charité (BIH) lud im Rahmen des „Dialog an Deck“ zu einer Podiumsdiskussion auf die MS Wissenschaft ein. Vor der Kulisse des Berliner Schiffbauerdamms diskutierten Expert*innen aus Forschung, Medizin und Gesellschaft gemeinsam mit dem Publikum über Chancen, Herausforderungen und ethische Fragen rund um Gen- und Zelltherapien.
Gen- und Zelltherapien greifen tief in die biologischen Ursachen von Krankheiten ein und eröffnen neue Möglichkeiten der Heilung. Gleichzeitig werfen sie grundlegende Fragen auf: Wie weit darf der Eingriff in die menschliche Biologie gehen? Wer profitiert von diesen Fortschritten, und wie kann ein gerechter Zugang gewährleistet werden?
Prof. Dr. Christopher Baum, Vorsitzender des BIH-Direktoriums und Vorstand für den Translationsforschungsbereich der Charité, betonte die Bedeutung einer schnellen und verantwortungsvollen Überführung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die klinische Praxis. Für ihn steht fest: „Medizin der Zukunft bedeutet für mich, dass dringend benötigte und wirksame Erkenntnisse aus der Gen- und Zelltherapieforschung schnell, sicher und kosteneffektiv vom Labor in die klinische Anwendung überführt werden.“ Damit verwies er auf die zentrale Rolle der Translation, also der Brücke zwischen Forschung und Versorgung.
Auch Prof. Dr. Annette Grüters-Kieslich hob das enorme Potenzial neuer Therapiemöglichkeiten hervor, insbesondere für die häufig sehr jungen Patient*innen mit seltenen Erkrankungen. „Für mich bedeutet Medizin der Zukunft, dass moderne Gen- und Zelltherapien Krankheiten nicht nur symptomatisch behandeln, sondern gezielt an ihrer Ursache angreifen. Sie eröffnen die Chance auf präzisere, individuellere Therapien, die erstmals Heilung von schweren Erkrankungen ermöglichen – das bedeutet echte Fortschritte für Patientinnen.“ Gleichzeitig betonte sie, dass die Gesellschaft diese neuen Möglichkeiten und den damit verbundenen Fortschritt auch einfordern müsse.
Fortschritt nur durch gemeinsamen Dialog
Aus klinischer Perspektive erläuterte Prof. Dr. Dr. David Simon, wie eng wissenschaftlicher Fortschritt und konkreter Patientennutzen miteinander verknüpft sein müssen. Als Pionier in der Anwendung von CAR-T-Zelltherapien bei Autoimmunerkrankungen verwies er auf die Bedeutung innovativer Studienformate und neuer Therapieansätze und sprach sich dafür aus, mutig neue Wege zu verfolgen. Sein Fazit: „Medizin der Zukunft wird durch die Fähigkeit bestimmt, wissenschaftlichen Fortschritt in nachhaltigen Nutzen für Patient*innen zu übersetzen.“
Eine andere, sehr persönliche Perspektive brachte die Künstlerin Esra Ersen in die Diskussion ein. Als Patientin, die selbst eine CAR-T-Zelltherapie erhalten hat, machte sie erfahrbar, was diese Entwicklungen jenseits von Forschung und Klinik bedeuten. Die Therapie ermöglicht ihr – trotz anfänglicher Herausforderungen - ein “neues Leben”. Alltägliche Dinge, die aufgrund ihrer schweren Erkrankung nicht möglich waren, sind für sie nach vielen Jahren nun wieder erlebbar. Ihre Perspektive lenkte den Blick auf individuelle Hoffnungen, Unsicherheiten und die Frage, wie sich medizinischer Fortschritt im Leben von Betroffenen konkret niederschlägt. Dass dieser Fortschritt nur im Dialog gelingen kann, zog sich als roter Faden durch die Diskussion. Moderatorin Aleksandra Laski betonte die Rolle der Öffentlichkeit und die Notwendigkeit verständlicher Kommunikation.
Im Austausch mit dem Publikum wurde deutlich, dass neben wissenschaftlichen Fragen auch ethische und gesellschaftliche Aspekte eine zentrale Rolle spielen. Die Zukunft der Medizin entsteht im Zusammenspiel vieler Perspektiven – und im offenen Gespräch mit der Gesellschaft.
Das BIH auf der MS Wissenschaft 2026

© BIH/Konstantin Börner 
© BIH/Konstantin Börner 
© BIH/Konstantin Börner 
© BIH/Konstantin Börner 
© BIH/Konstantin Börner 
© BIH/Konstantin Börner 
© BIH/Konstantin Börner 
© BIH/Konstantin Börner 
© BIH/Konstantin Börner