Strategisches Forschungsprogramm 2023-2027
Mission und Strategie des BIH
Wir schaffen messbare Wirkung für Patient*innen und Communities.
Mission
Unsere Mission ist die biomedizinische Translation: Wir übersetzen wissenschaftliche Erkenntnisse in neue Ansätze für personalisierte Vorhersage, Prävention, Diagnostik und Therapie – und entwickeln aus klinischen Beobachtungen neue Forschungsfragen. So verbinden wir exzellente biomedizinische Forschung mit konkreten Anwendungen für Patient*innen und translationale Communities.

Die medizinische Versorgung basiert auf standardisierten, evidenzbasierten Verfahren. Diese sind unverzichtbar, erfassen aber nicht immer die individuellen Ursachen, Verläufe und Einflussfaktoren von Erkrankungen. Deshalb arbeiten wir an Konzepten und Lösungen der Präzisionsmedizin, welche die individuellen Bedürfnisse von Patient*innen besser berücksichtigen und neue Wege für eine wirksamere, gezieltere und nachhaltigere Gesundheitsversorgung eröffnen.
Dafür schafft das BIH ein translationales Ökosystem, das Wissenschaftler*innen, Kliniker*innen, Patient*innen, Partner aus Wirtschaft und Industrie sowie Akteur*innen aus Politik und Gesellschaft zusammenbringt. Wir stellen Infrastrukturen, Methoden, Datenräume und Unterstützungsangebote bereit, die robuste Forschung, Innovation, Translation und Zusammenarbeit ermöglichen.
Unsere Vision ist es, Innovationen der Präzisionsmedizin schneller und verlässlicher in den Nutzen für Patient*innen zu überführen. Als Schlüsselakteur in regionalen, nationalen und internationalen Netzwerken gestalten wir Translation gemeinsam mit unseren Partnern – damit aus Forschung Gesundheit wird.
Unsere Strategie: Biomedizinische Translation stärken
Das Berlin Institute of Health in der Charité (BIH) stärkt biomedizinische Translation und übernimmt überregionale Verantwortung für die Weiterentwicklung translationaler Forschung. Wir haben uns einer verantwortungsvollen Wissenschaft verschrieben und orientieren uns dabei explizit an den Bedarfen und Perspektiven von Forschenden und Patient*innen.
Wir fördern eine Forschungskultur, die Innovation unterstützt und die Überführung von Erkenntnissen in die Anwendung von Beginn an mitdenkt. Mit unseren Konzepten ermöglichen wir einen interdisziplinären und kooperativen Ansatz, der für die beschleunigte und effiziente Translation biomedizinischer Forschung in die Krankenversorgung entscheidend ist. Translation ist für uns dann erfolgreich, wenn sie in vier Bereichen Wirkung entfaltet: (1) Beschleunigte Translation in die Krankenversorgung, (2) Open Access und Open Use, (3) Open Innovation, (4) Entrepreneurship.
Wissenschaft, Plattformen und Programme

Im Rahmen unseres Strategischen Forschungsprogramms verfolgen wir erfolgreich drei miteinander verknüpfte und kooperative Research Objectives: (1) Verantwortungsvolle Translationale Methodologien, (2) Computergestützte und Funktionelle Präzisionsmedizin und (3) Neuartige Regenerative Therapien. Dies wird möglich durch ein breites Spektrum translationaler Plattformen und Programme. Das BIH stellt Infrastrukturen, Ressourcen und Konzepte bereit, die wir in Partnerschaften mit regionalen, nationalen und internationalen Akteur*innen entwickeln und teilen. Sie bieten Zugang zu modernen Technologien, methodischer Expertise, qualitätsgesicherten Prozessen und interdisziplinären Netzwerken. Ergänzt werden sie durch Programme, die translationale Projekte entlang definierter Meilensteine unterstützen, wissenschaftliche Karrieren fördern, regulatorische und methodische Beratung bereitstellen, Innovationsaktivitäten gezielt unterstützen und unternehmerische Entwicklungen begleiten.
Unser Translationales Ökosystem

Das BIH ist in besonderer Weise in die translationale Forschungslandschaft eingebunden. Als Translationsforschungsbereich der Charité – Universitätsmedizin Berlin verbindet es wissenschaftliche Forschung, Nähe zu universitärer Spitzenmedizin und Innovationsfähigkeit in einem institutionellen Umfeld, das zahlreiche Anknüpfungspunkte für interne und externe Kooperationen bietet. Dieses Umfeld wird durch die privilegierte Partnerschaft mit dem Max Delbrück Center für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft sowie durch weitere Allianzen mit akademischen Einrichtungen, außeruniversitären Forschungspartnern, Unternehmen und Industriepartnern ergänzt. Dadurch ist das BIH regional, national und international vernetzt und kann wissenschaftliche, klinische, technologische und anwendungsorientierte Perspektiven gezielt zusammenführen.
Seine besondere institutionelle Konstellation macht das BIH zu einem Pionier in der deutschen Wissenschaftslandschaft. Als vom Bund und vom Land Berlin getragenes Institut, das zugleich in ein führendes Universitätsklinikum integriert ist, übernimmt das BIH eine Verantwortung, die über den Standort Berlin hinausreicht. Es unterstützt national wirksame Initiativen, erfüllt sein nationales Mandat und trägt dazu bei, biomedizinische Translation als gemeinsame Aufgabe von Wissenschaft, Versorgung, Innovation und Gesellschaft weiterzuentwickeln.
Fragen und Antworten
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Was bedeutet Patient*innen- und Community-Orientierung?

Unsere Mission ist, eine messbare translationale Wirkung (siehe Abbildung 3) zu entfalten, von der sowohl Patient*innen als auch Wissenschafts-Communities und weitere Stakeholder profitieren. - Patient*innenorientierung: Patient*innenorientierte Forschung will mit ihren Ergebnissen einen konkreten Nutzen für Patient*innen schaffen und deren Perspektive in den Mittelpunkt stellen. Dazu gehört das Erkennen erster Symptome, eine personalisierte Prävention, eine sorgfältige Phänotypisierung und Diagnostik, gemeinsame Entscheidungsfindungen, verbesserte Behandlungen und innovative Nachsorge.
- Community-Orientierung: Die community-orientierte Forschung zielt darauf ab, innerhalb von Wissenschafts-Communities und darüber hinaus wissenschaftliche Innovationsinstrumente zu schaffen, die direkt oder indirekt den Patient*innen dienen. Dazu gehört die Entwicklung neuartiger Ansätze, nützlicher Analyseinstrumente und neuer Produkte, Lösungen, Dienstleistungen und Plattformen für die wissenschaftliche Gemeinschaft sowie die Mitwirkung an Leitlinien, Standards, Protokollen und Best-Practice-Verfahren.
Beide Ansätze erfordern wiederkehrende Feedback-Mechanismen zum Zweck einer kontinuierlichen Verbesserung und Verpflichtung zu verantwortungsvoller Translation, die Praktiken fördert und lehrt, aus denen robuste, transparente und ethisch vertretbare Ergebnisse bei effizienter Ressourcennutzung hervorgehen.
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Was verbirgt sich hinter den Wirkungen in den vier Bereichen einer erfolgreichen Translation?

Missionsgetriebene Generierung messbarer translationaler Wirkkraft durch beschleunigte Translation in die Krankenversorgung, Open Access & Use, Open Innovation und Entrepreneurship. Unser Verständnis erfolgreicher Translation spiegelt sich in der innovativen Wirkung der folgenden vier Bereiche wider:
Beschleunigte Translation in die Krankenversorgung: Durch verantwortungsvolle Forschung nehmen wir direkten Einfluss auf die Krankenversorgung, z. B. in Situationen, in denen langwierige Produktentwicklungen unnötig sind, wie bei einigen Formen von computergestützten Ansätzen oder in der patient*innenzentrierten Gestaltung klinischer Studien.
Open Access und Open Use: Wir gewähren Zugang zu Daten und Analyseinstrumenten für Wissenschaftler*innen in- und außerhalb des BIH, um die Ergebnisse für Patient*innen zu verbessern und evidenzbasierte Verfahren zu unterstützen. Hierbei werden die besonderen Anforderungen in den Bereichen Datenschutz, Sicherheit und Schutz von geistigem Eigentum beachtet.
Open Innovation: Wir fördern Zusammenarbeit und Transparenz über das BIH und die Charité hinaus, um neue Lösungen im Dienste der Patient*innen zu entwickeln und zugleich die Effizienz im Gesundheits-, Pharma- und Biotechsektor zu steigern.
Entrepreneurship: Wir schaffen geistiges Eigentum, Produkte und Ausgründungen, um wissenschaftliche Erkenntnisse in innovative Lösungen für den Markt zu überführen und berücksichtigen dabei ein ethisches Gleichgewicht zwischen Patient*innenwohl und wirtschaftlichen Zielen.
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Wie genau verfolgen wir unsere drei Research Objectives?
Die drei Research Objectives bringen Arbeitsgruppen und alle Bereiche des Instituts, wissenschaftliche sowie administrative, zusammen, indem sie verantwortungsvolle translationale Forschung erleichtern und eine translationsorientierte Kultur fördern. Wir sind daher offen für neue Formate der gemeinsamen Gestaltung, Zusammenarbeit, Entwicklung und Ausbildung mit Partner*innen aus Start-ups, Industrie, Patient*innenvertretungen, Regulierungsbehörden, Investor*innen und anderen translationalen Stakeholdern. Uns eint das Ziel, eine messbare Wirkung für Patient*innen und die translationalen Communities zu entfalten.
- Verantwortungsvolle translationale Methodologien für die Biomedizin: Die Ziele umfassen: robuste reproduzierbare Forschung; transparenten Open Access zu Forschungsergebnissen und Daten; validierte Anreize und Leistungskennzahlen (KPIs); Bildung; und eine patient*innenzentrierte Translationskultur am BIH, mit Anbindung an die Charité, das translationale Ökosystem in Deutschland und darüber hinaus. Durch die Integration von Ansätzen aus Metawissenschaft und wissenschaftlichen Standards bietet dieses Research Objective Koordination und Unterstützung für Bildung und Training sowie Projektberatung für den Technologietransfer. Insbesondere entwickeln die verschiedenen Core Units kontinuierlich Infrastrukturen (Technologie, Methodik, Anwendungen), um die präklinische und klinische Forschung zu unterstützen. Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist die Entwicklung von FAIR[en] (findable, accessible, interoperable, reusable) Datenplattformen, die personenbezogene Daten schützen und zugleich deren Nutzung in den Bereichen Krankenversorgung und Forschung erleichtern. Um das volle Potenzial der Datenwissenschaften in der Medizin zu erschließen, ist es notwendig, den Datenschutz und die Interoperabilität sicherzustellen und gleichzeitig föderale Strukturen anzugehen, die innerhalb der EU und Deutschlands besonders herausfordernd sind. Durch die produktive Verbindung von verantwortungsvoller Forschung, robuster Methodik, Open Science und Metawissenschaft verkörpert dieses Research Objective unsere Auffassung von Translation als Wissenschaft.
- Das Research Objective der computergestützten und funktionellen Präzisionsmedizin verfolgt einen interdisziplinären Ansatz zur prädiktiven und präventiven personalisierten Medizin und umfasst alle Aspekte datengetriebener und funktionaler experimenteller Forschung. Dies reicht von der Nutzung künstlicher Intelligenz zur Analyse großer gesundheitsbezogener Datensätze bis hin zur Verwendung modernster biomolekularer Analytik in experimentellen Studien zur Identifizierung von Krankheitsmechanismen. Ziel ist es, Individuen mit personalisierten Präventionsplänen und Interventionen zu unterstützen und Schlüsselschritte der Patient Journey anzugehen. Wir streben beispielsweise an, verständliche Aufklärung zu konkreten Krankheiten anzubieten, um die Entscheidungsfindung für Behandlungswege zu erleichtern, sowie neuartige Therapien und Nachsorgeverfahren zu entwerfen. Unsere Aktivitäten tragen auch dazu bei, das Feld der medizinischen Informatik und Bioinformatik u.a. durch Mitwirkungen an nationalen Gremien bundesweit zu prägen.
- Unter Verwendung verschiedener biologischer und mechano-biologischer Ansätze strebt das Research Objective der neuartigen regenerativen Therapien nach Homöostase oder der Wiederherstellung der Funktion von erkranktem oder geschädigtem Gewebe bei Patient*innen mit verschiedenen progressiven chronischen Krankheiten, akuten Erkrankungen und Verletzungen. Gemeinsam mit der Charité und dem Max Delbrück Center entwickeln wir das Gebiet der neuartigen Therapien weiter, einschließlich matrixbasierter Ansätze, Zell- und Gentherapie. Unser Team umfasst Expert*innen für regulatorische Aspekte, die mit den zuständigen Behörden zusammenarbeiten, um regulatorische Prozesse für neuartige Therapien zu entwickeln. Darüber hinaus streben wir intern und in Zusammenarbeit mit externen Herstellenden die Optimierung von Herstellungsprozessen für Advanced Therapy Medicinal Products (ATMPs) an, um diese Produkte schnell in die Klinik zu überführen. Dieses Research Objective profitiert von der Zusammenarbeit von Wissenschaft und Industrie sowie von der Rolle des BIH bei der Moderation einer Nationalen Strategie für gen- und zellbasierte Therapien.
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Wie unterstützen die BIH-Plattformen und -Programme die Translation?

Überblick über die Themen und Ergebnisse der BIH-Plattformen und -Programme. Das BIH hat ein einzigartiges Ökosystem von Unterstützungsplattformen und -programmen etabliert, um eine effektive Translation durch Bildung, Anwendungen und Infrastrukturen zu ermöglichen.
- Zu den translationsunterstützenden Plattformen gehören die BIH Core Units, wie Technologien und Expertise für integrierte Multi-Omics-Ansätze; Gewebe, Biospezimen und zelluläre Modelle für die Forschung; sowie wichtige Tools und Infrastrukturen für Daten- und Probenplattformen. Die BIH Core Units entwickeln kontinuierlich ihr Service- und Technologieportfolio weiter und arbeiten mit den Nutzenden zusammen, um deren Bedarfe zu erfüllen und von den neuesten technologischen Entwicklungen zu profitieren. Neben analytischen Dienstleistungen bieten die Core Units Projektberatung, Schulungen und Workshops an, um valide und reproduzierbare Forschung am BIH und darüber hinaus zu stärken. Wissenschaftler*innen des BIH, der Charité und des Max Delbrück Centers können über das OpenIRIS-Portal Dienstleistungen buchen, die von diesen Units angeboten werden. Neben den Core Units gibt es eine Reihe von translationsunterstützenden Plattformen, die von mehreren Arbeitsgruppen oder Centern orchestriert werden (z. B. das Clinical Study Center, das QUEST Center). Dazu gehören eine Reihe von Daten- und Probenplattformen sowie die Responsible Research Toolbox. Unabhängige Netzwerkplattformen fördern ebenfalls die Vernetzung zwischen Forschenden und Stakeholdern innerhalb thematischer Communities.
- Unsere translationsunterstützenden Programme bieten Finanzierung und Coaching-Programme, um Innovation, Empowerment und Interessenvertretungen für Forschende innerhalb des BIH und des breiteren translationsökologischen Systems zu erreichen. Beispielsweise bietet Charité BIH Innovation (CBI) die Programme Digital Health Accelerator, SPARK-BIH und Match & Connect an. Die neu geschaffene Regulatory Support Unit, der Clinical Incubator für neuartige Therapien sowie das Clinician Scientist Programm und dessen maßgeschneiderte Varianten, die von der Biomedical Innovation Academy (BIA) bereitgestellt werden, ergänzen das Portfolio. Das Strategische Wissenschaftsmanagement unterstützt die BIH-Wissenschafts-Community und das Direktorium bei der Umsetzung der Mission.