Erfolgreiche Gründungsförderungsberatung durch CBAIC: Oncovirtuous erhält exist Forschungstransfer-Förderung von knapp 2 Mio. Euro

Das Team Oncovirtuous um Dr. Anja Geisler, Leslie Kamstra und Esther Horn hat sich zum Ziel gesetzt, die therapeutische Effizienz onkolytischer Viren (OVs) nach intravenöser Applikation zu steigern und so die nächste Generation der Krebsimmuntherapie für die Behandlung kolorektaler Karzinome (KRK) zu entwickeln. Für die Weiterentwicklung ihrer Erfindung im Rahmen des BMWE-Förderprogramms exist Forschungstransfer erhält Oncovirtuous nun eine Förderung von knapp 2 Mio. Euro.
HINTERGRUND DES PROJEKTS
Mit rund 10 % aller Krebsneuerkrankungen und Krebstodesfälle weltweit zählen kolorektale Karzinome (KRK) zu den häufigsten Krebserkrankungen weltweit.
Immuntherapien haben in den vergangenen Jahren große Verbesserungen bei der Behandlung von Krebs herbeigeführt. Eine sehr vielversprechende Klasse von Immuntherapeutika stellen onkolytische Viren (OVs) dar. Sie infizieren gezielt Tumorzellen und töten diese ab, wodurch das Immunsystem zur effektiven Tumorbekämpfung aktiviert wird. Dennoch haben OV-Therapien bislang nicht den Durchbruch erzielt. So ist die übliche intratumorale Verabreichung der OVs bei schwer zugänglichen oder metastasierten Tumoren nicht praktikabel und wenig effizient und auch die intravenöse Applikation ist aufgrund der schnellen Neutralisierung und Clearance der OVs im Blut bislang nur begrenzt wirksam.
ZIEL DES PROJEKTS
Das Gründungsteam Oncovirtuous um Dr. Anja Geisler, Leslie Kamstra und Esther Horn hat sich zum Ziel gesetzt, die therapeutische Effizienz der OVs nach intravenöser Applikation deutlich zu steigern und so die nächste Generation der Krebsimmuntherapie für die Behandlung des KRK zu entwickeln.
DIE TECHNOLOGIE
Seit Jahren hat das Team an der Verbesserung der OVs an der Technischen Universität Berlin in Zusammenarbeit mit der Charité geforscht und schließlich ein neuartiges onkolytisches Coxsackievirus B3 (CVB3) des Stammes PD-KPC entwickelt, welches kolorektale Karzinomzellen effektiver abtöten kann.
Neben dessen verbesserten Eigenschaften liegt die Innovation ihrer Arbeit in der Verwendung synthetischer infektiöser viraler RNA (iRNA) des Virus PD-KPC (iPD-KPC), die in Nanocarrier verkapselt wird (iPD-KPC-Technologie). Die Verkapselung schützt die iRNA vor dem Abbau im Blut und gewährleistet, dass erst in situ im Tumorgewebe aus der viralen RNA das OV PD-KPC gebildet wird und dort hohe Virustiter generiert werden. Sequenzen im Virusgenom sollen dabei eine gezielte Virusbildung im Tumorgewebe ermöglichen und die Virusreplikation in gesundem Gewebe unterbinden.
Der Ansatz könnte einen Paradigmenwechsel in der onkolytischen Immuntherapie ermöglichen. In Proof-of-Principle-Studien konnte das Team die Herstellung und Funktionalität von iPD-KPC nach der Verkapselung in Nanocarrier demonstrieren.
VORHABEN IM RAHMEN DER FÖRDERUNG
Im Rahmen der Förderung durch den exist Forschungstransfer wird die iPD-KPC-Technologie gezielt hinsichtlich onkolytischer Wirksamkeit, Sicherheit und Formulierung weiterentwickelt und für eine effektive systemische Therapie des kolorektalen Karzinoms (KRK) optimiert. Die Eignung des Ansatzes für die Behandlung des KRK wurde durch in vitro- und in vivo-Vorversuche belegt und soll im Rahmen des Projekts weiter validiert werden. Ziel nach 36 Monaten Projektlaufzeit ist die Identifizierung eines optimierten iPD-KPC-opt-Nanocarrier-Leitkandidaten als Grundlage für die anschließende präklinische Wirkstoffentwicklung und die weitere klinische Translation.
ÜBER DAS FÖRDERPROGRAMM exist Forschungstransfer
ZIEL DES FÖRDERPROGRAMMS
Das Förderprogramm „Existenzgründungen aus der Wissenschaft” (exist) ist die zentrale Startup-Förderung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) für Gründungen aus Wissenschaft und Forschung, das mit Mitteln des BMWE und der Europäischen Union über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) gefördert wird. Ziel des Programms ist, wissenschaftliche Erkenntnisse in die wirtschaftliche Anwendung zu bringen und die Schaffung innovativer Startups zu fördern. Daher unterstützt exist Gründungsinteressierte, Gründerinnen und Gründer, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Startup-Ökosysteme bei der Entwicklung und Umsetzung innovativer, wissensbasierter Gründungsvorhaben.
ABLAUF DES FÖRDERPROGRAMMS
Das BMWE-Förderprogramm besteht aus zwei Förderphasen:
In der ersten Förderphase sollen Forschungsergebnisse mit Gründungspotenzial weiterentwickelt werden. Ziel ist es, Fragen in Zusammenhang mit der Umsetzung wissenschaftlicher Ergebnisse in technische Produkte und Verfahren zu klären, die darauf basierende Geschäftsidee zu einem Businessplan auszuarbeiten und die geplante Unternehmensgründung vorzubereiten.
In der zweiten Förderphase stehen weitere Entwicklungsarbeiten, die Aufnahme der Geschäftstätigkeit sowie die Vorbereitungen für eine externe Unternehmensfinanzierung im Fokus.
GRÜNDUNGSTEAM
Dr. Anja Geisler ist Mitgründerin und Projektleiterin von Oncovirtuous. Sie verfügt über umfangreiche Erfahrungen in der onkolytischen Virotherapie, darunter in der Entwicklung viraler Vektoren und Viren, im präklinischen Studiendesign, in der Arbeit mit verschiedenen Tumormodellen sowie in der Entwicklung von RNA-Formulierungen auf Basis von Nanocarriern. Sie hat zahlreiche Originalpublikationen zur onkolytischen CVB3-Virotherapie veröffentlicht, war maßgeblich an den Patententwicklungen beteiligt und verfügt über die entsprechenden fachlichen und behördlich anerkannten Qualifikationen.
Leslie Kamstra ist Mitgründerin von Oncovirtuous und verfügt über umfassende Expertise in der Forschung mit onkolytischen CVB3-Viren. Sie hat zahlreiche in vitro- und in vivo-Studien durchgeführt und wesentlich zur Weiterentwicklung dieses Therapieansatzes beigetragen. Zudem hat sie zahlreiche Originalpublikationen zur onkolytischen CVB3-Virotherapie veröffentlicht und war maßgeblich an den Patententwicklungen beteiligt.
Esther Horn ist Mitgründerin von Oncovirtuous und verantwortet die kaufmännische Leitung mit umfassender Erfahrung in den Bereichen Strategie, Business Development, Finance und kommerzielle Entwicklung. Zuvor war sie in internationalen Positionen bei Nestlé, GSK und zuletzt Sanofi tätig. Ihre Expertise umfasst die Entwicklung und Umsetzung von Unternehmens- und Go-to-Market-Strategien, die erfolgreiche Markteinführung innovativer Impfstoffe sowie die wirtschaftliche Steuerung komplexer Geschäftsbereiche und die Führung internationaler, funktionsübergreifender Teams.
Das Gründungsteam vereint wissenschaftliche Expertise in der onkolytischen Virotherapie und RNA-Technologie mit fundierter Erfahrung in Unternehmensentwicklung, strategischer Planung und kommerzieller Umsetzung. Diese Kompetenzen ergänzen sich ideal und bilden gemeinsam die Grundlage für die wissenschaftliche, unternehmerische und strategische Weiterentwicklung von Oncovirtuous.
MENTORING
Prof. Dr. Sophie Van Linthout ist Professorin für Immunokardiologie am Berlin Institute of Health (BIH) an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, wo sie die Forschungsgruppe „Translational Immunocardiology“ am BIH-Zentrum für Regenerative Therapien leitet. Als Projektmentorin steht sie den Mitgründerinnen von Oncovirtuous während der gesamten Projektlaufzeit mit wissenschaftlicher und strategischer Beratung zur Seite.
Begleitet wird das Team außerdem von Dr. Henry Fechner, Arbeitsgruppenleiter an der Technischen Universität Berlin. Gründungsberaterin Dr. Bettina Otto vom Charité BIH ARC Innovation Center (CBAIC), der zentralen Innovationseinheit von Charité und BIH, unterstützte Oncovirtuous bei den Vorbereitungen für das exist Forschungstransfer-Förderprogramm und wird dem Team auch während der Laufzeit des Programms beratend zur Seite stehen.
Für Fragen zum Thema Gründungsförderung steht CBAIC interessierten Wissenschaftler*innen unter [email protected] jederzeit zur Verfügung.