Neue KI-gestützte App hilft Frauen in den Wechseljahren

Gesellschaftlich ist das Thema eher tabuisiert und das Wissen über Behandlungsmöglichkeiten begrenzt: Frauen in den Wechseljahren leiden oft an Symptomen wie Hitzewallungen, Blutungsstörungen, Schlafstörungen und Konzentrationsproblemen. Diese typischen Beschwerden beeinträchtigen häufig das Wohlbefinden, den Alltag und die berufliche Leistungsfähigkeit der Betroffenen. Das Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering IESE hat gemeinsam mit starken Partnern das Forschungsprojekt PETRA ins Leben gerufen, um Frauen in den Wechseljahren mit einer KI-gestützten App individuell zu begleiten und ihre Therapie wirksam zu verbessern. Das Berlin Institute of Health in der Charité (BIH) trägt dabei wesentliche Expertise in digitaler Gesundheitsversorgung, medizinischer Standardisierung und sicherer Datenverarbeitung bei.
Das Projekt PETRA baut auf fundierten Erkenntnissen des Projekts GenDiMed (Geschlechtersensible Digitalmedizin) auf, das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert wird. GenDiMed entwickelt digitale Gesundheitsanwendungen, die geschlechtsspezifische Unterschiede systematisch erfassen und in Diagnostik sowie Therapie berücksichtigen. Diese evidenzbasierten Erkenntnisse fließen direkt in die Entwicklung der PETRA-App ein, um eine individuellere und wirksamere Therapiebegleitung für Frauen in den Wechseljahren zu gewährleisten. Das BIH ist hierbei wesentlich über Prof. Dr. Sylvia Thun, Direktorin der Core Unit eHealth & Interoperabilität am BIH, involviert: „Frauen in den Wechseljahren erhalten medizinisch fundierte, datenbasierte Informationen. Mit PETRA entwickeln wir eine KI, die nicht ersetzt, sondern ergänzt und Frauen eine individualisierte sowie sichere Begleitung bietet.” Sie ergänzt: „Damit KI im Gesundheitswesen verlässlich funktioniert, braucht sie qualitativ hochwertige, biasfreie und vertrauenswürdige Daten. Genau hier bringen wir unsere BIH-Expertise ein: medizinische Standards, sichere Datenräume und digital nutzbare Evidenz.”
Innovative Zusammenarbeit für eine bessere Therapiebegleitung
Die Partner des Projekts verbinden ein breites Erfahrungsspektrum: Das Fraunhofer IESE verantwortet die technische Entwicklung und das Design der KI-Modelle. Das Digital Health Startup FEMNA steuert seine Expertise aus der frauengesundheitlichen Versorgung und Anwendersicht bei. Die Juniorprofessur für Gesundheit und E-Health an der Ruhr-Universität Bochum begleitet das Projekt sozialwissenschaftlich und fokussiert dabei insbesondere Co-Creation-Prozesse mit Nutzerinnen. Die Sozialforschungsstelle der Fakultät Sozialwissenschaften an der Technischen Universität Dortmund ergänzt das Team durch sozialwissenschaftliche Methoden und Analysen. Das BIH sorgt für die sichere Integration medizinischer Daten gemäß höchsten interoperablen Standards.
Prof. Sylvia Thun betont: „Interdisziplinäre Zusammenarbeit ist unsere Stärke: Forschung, Technik, Versorgung und Nutzerinnenperspektive greifen ineinander. Nur so entstehen digitale Lösungen, die wirklich im Alltag der Frauen ankommen. Mit PETRA setzen wir einen neuen Maßstab in der personalisierten Frauenmedizin. KI und evidenzbasierte Digitalmedizin ermöglichen erstmals eine Therapiebegleitung, die Frauen durch die Menopause begleitet, individuell, wirksam und wissenschaftlich fundiert.”
Das BMFTR fördert PETRA mit rund zwei Millionen Euro über eine Laufzeit von drei Jahren. Das Projekt zeigt, wie Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und interdisziplinäre Zusammenarbeit konkrete Fortschritte in der medizinischen Versorgung von Frauen ermöglichen können und damit neue Maßstäbe für die personalisierte Frauenmedizin setzen.