5 Fragen an
Neuer Ansatz zur Behandlung der Kongenitalen Ichthyose

Ein Team um die ehemalige BIH-Professorin Prof. Dr. Sarah Hedtrich widmete sich einer Form der Fischschuppenkrankheit, der autosomal-rezessiven kongenitalen Ichthyose (ARCI). Dies ist eine seltene und erblich bedingte Hauterkrankung, bei der die Hornhautbildung der Körperhaut gestört ist. Betroffene haben oft eine trockene, gerötete und schuppige Haut, die stark jucken und spannen kann. Bisher konnten nur die Symptome von ARCI behandelt werden. Das Team entwickelte nun eine Behandlungsmethode, durch die die Mutation des Gens, das ARCI auslöst, korrigiert werden kann. Das Problem: Auf die Haut aufgetragene Gentherapeutika, die über kleine Kügelchen aus Fett (Lipidnanopartikel) an die richtige Stelle transportiert werden sollen, ziehen aufgrund der Schutzbarriere der Haut nur schwer ein. Die Forschenden fanden jetzt einen Weg, die Hautbarriere so zu verändern, dass dies möglich wird. Das Projekt wurde von SPARK BIH finanziert. Wir sprachen mit Prof. Hedtrich über diesen Ansatz.
Welches Problem hat ihr Team versucht, mit diesem translationalen Forschungsprojekt zu lösen?
Für Patient*innen mit ARCI gibt es derzeit keine wirksame Therapie. Sie sind bislang ausschließlich auf eine symptomatische Behandlung angewiesen, die nur sehr begrenzte Wirkung zeigt. Der hier vorgestellte Ansatz stellt erstmals eine echte Behandlungsoption für Betroffene dar, die stark unter ihrer oft stigmatisierenden Hauterkrankung leiden – mit gravierenden Folgen wie sozialer Isolation und Depressionen. Zudem ist die Sterblichkeit bei Neugeborenen mit ARCI erhöht. Perspektivisch sehen wir daher die Möglichkeit, besonders gefährdete Kinder direkt nach der Geburt zu behandeln, um ihr Leiden zu verringern und Risiken im Zusammenhang mit ARCI frühzeitig zu minimieren.
Dabei handelt es sich um die weltweit erste Gentherapie für ARCI. Bislang gibt es nur eine weitere Gentherapie für eine andere Hauterkrankung, bei der Patient*innen mit Epidermolysis bullosa – einer seltenen, blasenbildenden Hautkrankheit – ein fehlendes Gen ersetzt wird. Im Gegensatz zu diesem auf viralen Vektoren basierenden Ansatz ist die hier vorgestellte Methode skalierbar, kostengünstiger und zeigt anhaltende sowie potenziell heilende Behandlungseffekte.
Welche spezifischen Herausforderungen gab es bei der Entwicklung Ihres Ansatzes?
Die menschliche Haut ist eine sehr wirksame Schutzbarriere, deren Hauptaufgabe darin besteht, das Eindringen von äußeren Einflüssen wie Krankheitserregern zu verhindern. Deshalb ist es besonders schwierig, große Moleküle – wie genetisches Material – in die Haut zu transportieren und genau an den richtigen Ort zu bringen. Für dieses Problem haben wir einen speziellen Ansatz entwickelt, der es ermöglicht, die in Lipidnanopartikel verpackte Genschere gezielt in die Haut einzuschleusen. Dafür werden mit einem Laser kleine Mikroporen in der Haut geschaffen, durch die die Lipidnanopartikel besser eindringen können. Eine weitere Herausforderung bestand darin, dass es für unseren Ansatz bisher keinerlei Präzedenzfälle gab, was insbesondere bei der geplanten Anwendung am Menschen zu zusätzlichen Hürden führen kann.
Welche Bedeutung könnte der Erfolg für Patient*innen haben?
In dieser Arbeit zeigen wir, dass krankheitsverursachende Mutationen in menschlicher Haut lokal mit einem topischen, also äußerlich angewendeten, nicht-invasiven Ansatz korrigiert werden können. Die Methode ist klinisch relevant, sicher, skalierbar und leicht anzuwenden. Besonders wichtig ist, dass unser Ansatz direkt an der Ursache der Erkrankung ansetzt. Unsere Daten deuten darauf hin, dass möglicherweise bereits eine einmalige Behandlung ausreichen könnte, um die Krankheit potenziell zu heilen. Zusammengefasst könnte dies einen bedeutenden Meilenstein in der Behandlung von ARCI-Patient*innen darstellen und das Potenzial haben, die Therapie dieser bislang unheilbaren Erkrankung grundlegend zu verändern.
Wie planen sie die Technologie in Zukunft auch für andere Erkrankungen anzuwenden und wenn ja für welche?
Der von uns entwickelte Ansatz ist eine Plattformtechnologie, die sich grundsätzlich einfach auf andere genetische „Fracht“ und weitere Hauterkrankungen – und potenziell sogar darüber hinaus – anpassen lässt. Derzeit arbeiten wir an ähnlichen Therapien für weitere seltene Hauterkrankungen und prüfen auch den möglichen Einsatz bei häufigen Hautproblemen wie Neurodermitis. Bei nicht wenigen Patient*innen mit schwerer Neurodermitis spielt ein Gendefekt eine entscheidende Rolle.
Haben sie basierend auf dieser Technologie ein Spin-off gegründet?
Auf Basis unserer Entwicklung haben wir 2025 das Spin-off Epithelica gegründet, das nun daran arbeitet, unsere Therapie zu den Patient*innen und langfristig auf den Markt zu bringen. Aktuell befinden wir uns in der Fundraising-Phase, um die klinische Studie zu starten und alle notwendigen Vorbereitungen für die Behandlung durchführen zu können. Dieser Schritt bringt uns einen wichtigen Schritt näher, um die Therapie für Betroffene Realität werden zu lassen.
