Online: Lesung und Diskussion „Mutterschaft und Wissenschaft“

Anlässlich des internationalen Tags der Familie lädt das BIH Interessierte ein zu einer Lesung aus dem Buch „Mutterschaft und Wissenschaft. Die (Un-)Vereinbarkeit von Mutterbild und wissenschaftlicher Tätigkeit“ von Sarah Czerney, Lena Eckert und Silke Martin und anschließender Diskussion.
Die Corona-Pandemie lässt deutlich zu Tage treten, was auch vorher schon sichtbar war: Von Geschlechtergerechtigkeit sind wir weit entfernt. Das gilt sowohl für die Gesellschaft, als auch für die Wissenschaft.
Während des Erscheinens des Buches müssen die Autorinnen erleben, dass die Auswirkungen von COVID-19 vor allem auf den Schultern von Müttern ausgetragen werden. Sie sind es, die sich freistellen lassen müssen, unbezahlten Urlaub nehmen oder sogar ihre Jobs verlieren, um ihre Kinder während der Schul- und Kitaschließungen zu betreuen. Auch in der Wissenschaft macht sich dieser Gender Care Gap oder Corona Gap bemerkbar: Während Wissenschaftler seit Beginn der Pandemie überdurchschnittlich viel publizieren, sind die Publikationen von Mütter_Wissenschaftlerinnen stark zurückgegangen. Das gilt ebenso für die Einwerbung von Drittmitteln, die Entwicklung neuer Forschungsprojekte und den Besuch von Konferenzen.
Das Spannungsfeld zwischen Mutterschaft und Wissenschaft – nicht nur in Zeiten von Corona – auszuloten, ist Anliegen des Buches der drei Wissenschaftlerinnen zu diesem Thema. Darin versammeln sie Stimmen von Wissenschaftler*innen, die sich in sehr persönlichen Texten mit dem Thema „Kinder haben oder nicht haben (wollen)“ auseinandersetzen und dabei auf vielfältige Art das noch immer in Deutschland vorherrschende starre Mutterbild thematisieren und hinterfragen. Dabei geht es um die gemeinsame Auslotung verschiedener Erfahrungen von privaten und professionellen Aspekten im Leben von (Nicht-)Müttern, die in der Wissenschaft tätig sind: „Denn das ist es, was uns auszeichnet: die sich gegenseitig ausschließenden Idealisierungen und Ideologisierungen beider Positionen. Nicht die Unvereinbarkeit der Tätigkeiten, sondern die Unvereinbarkeit der zwei sehr unterschiedlichen materiell-diskursiven Choreografien ist es, die (potentielle) Mutterschaft und Wissenschaft gegeneinander ausspielt.“
In der Lesung werden die Herausgeberinnen und Autorinnen mit Leseproben einen Einblick in die Texte geben, um das Spannungsfeld zwischen Mutterschaft und Wissenschaft in einer anschließenden Diskussion auszuloten. Eine Leseprobe zum Buch finden Sie unter: www.springer.com/de/book/9783658309312
Überblick
Wann? 16.5.2022 | 17-19 Uhr
Wo? Online
Infos zu den Herausgeberinnen:
Sarah Czerney
Sarah Czerney, Dr. phil., arbeitet derzeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Gleichstellungsprojekt FEM POWER am Leibniz-Institut für Neurobiologie in Magdeburg. Sie hat Europäische Medienkultur studiert und 2018 an der Goethe-Universität Frankfurt/M. promoviert. Neben der praktischen Gleichstellungsarbeit liegen ihre Schwerpunkte auf feministischer Theorie und Wissenschaftskritik, Mutterschaft und Wissenschaft sowie gleichberechtigter Eltern- und feministischer Mutterschaft. Sie hat zwei Söhne und lebt mit ihrer Familie in Magdeburg.
Lena Eckert
Lena Eckert, Dr. phil. ist Genderwissenschaftlerin sowie Schreib- und Bildungsforscherin. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin und arbeitet als akademische Mitarbeiterin am ZLL - Zentrum für Lehre und Lernen an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt Oder. Ihre Forschung konzentriert sich auf die Kritik von Macht- und Herrschaftsverhältnissen in Hochschule und Gesellschaft. Sie ist insbesondere interessiert an der Strukturierung von Gesellschaft und Wahrnehmung durch Geschlecht und andere Differenzkategorien und sucht nach emanzipativen Strategien im Wissenschaftsbetrieb. Sie publiziert international zu interdisziplinären, medien- und bildungswissenschaftlichen Themen der kritischen Gender Studies und versucht immer wieder Aktivismus, Kunst und Wissenschaft zusammenzubringen. www.lenaeckert.org
Silke Martin
Silke Martin, Dr. phil., Film- und Medienwissenschaftlerin, ist derzeit wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Erfurt. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Theorie, Ästhetik und Geschichte des Films, Gender/Ageing Studies sowie Hochschulbildung und Schreibforschung. www.silkemartin.com
16.5.2022 | 17-19 Uhr
Anmeldung per Mail an equal.opportunity@bihealth.de