Pressemitteilung: Christine Goffinet erforscht die Sprache der Viren

Seit Anfang Februar 2019 ist Christine Goffinet BIH-Professorin für Virologie am Berlin Institute of Health (BIH) und am Institut für Virologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Sie erforscht das Humane Immunschwäche Virus HIV und das Chikungunya-Virus, das als „emerging virus“ im Zuge der globalen Erderwärmung auch in Europa seinen Einzug hält. Bei ihren Arbeiten interessiert sich die Biologin insbesondere für die Kommunikation zwischen Virus und Wirt bzw. dessen Immunsystem: Wie wehrt sich die Wirtszelle gegen eine Infektion, und wie entzieht sich das Virus dieser Abwehr?

 „Die HIV-Infektion kann man zwar gut behandeln, aber nicht heilen“, umschreibt die gebürtige Französin Christine Goffinet die Situation von HIV-Positiven. Tatsächlich müssen HIV-Infizierte ihre Medikamente lebenslang einnehmen, denn sobald sie sie absetzen, kommt das Virus wieder hervor. Das Virus versteckt sich in ruhenden Wirtszellen, es hat seine Erbgutinformation in die Chromosomen der Wirtszelle hineingeschmuggelt. Goffinet möchte nun die ruhenden Virus-tragenden Zellen aufwecken, damit sie wieder damit beginnen, das Virus herzustellen. „Anschließend werden wir versuchen, diese reaktivierten Zellen abzutöten, sei es mit Hilfe des körpereigenen Immunsystems oder durch eine neuartige Behandlung, bei der wir die Kommunikation zwischen Virus und Immunsystem nutzen“, lautet ihr ehrgeiziges Ziel. „Und das muss zu 100% gelingen, denn nur eine einzige verbleibende HIV-positive Zelle genügt vermutlich, um die Virusvermehrung von neuem ausbrechen zu lassen.“

Das Chikungunya-Virus ist bereits seit längerer Zeit aus Afrika und Südostasien bekannt. Es gilt als so genanntes „Emerging Virus“, weil die Infektionsrate weltweit zunimmt. Es wird wie das Dengue-Virus durch Mücken der Gattung Aedes übertragen, die sich von Südeuropa aus langsam nach Norden hin ausbreiten.  Die Infektion quält die Betroffenen mit schmerzhaften Gelenkentzündungen und Fieberschüben. Normalerweise wehrt sich das Immunsystem des Wirts gegen das Virus, und die Symptome klingen nach ein bis zwei Wochen wieder ab. Doch in einem Teil der Infizierten wird die Infektion chronisch: Sie leiden immer wieder unter Schüben, in denen die Gelenkentzündung wieder aufflammt, was oft zu dauerhaften Gelenkschmerzen führt, die Betroffenen laufen gebeugt, sind in ihren Bewegungen eingeschränkt und oft arbeitsunfähig. „Wir wollen herausfinden, warum manche Menschen gut mit dem Virus fertig werden, und warum die Infektion bei anderen Menschen chronisch verläuft. Über den Infektionszyklus des Virus ist noch sehr wenig bekannt, es gibt weder eine Impfung noch spezielle Medikamente“, erklärt Goffinet. „Bei HIV weiß man vergleichsweise so viel, es sind Labormethoden und -systeme etabliert, es gibt Reagenzien und eine wirksame Behandlung. Bei Chikungunya fangen wir weitestgehend bei Null an. Genau das reizt mich!“

Christine Goffinet wurde in Frankreich geboren, kam mit elf Jahren nach Hamburg, wo sie ihr Abitur ablegte und Biologie an der dortigen Universität studierte. Zur Promotion ging sie an die Universität Heidelberg, ans Institut für Virologie, wo sie ein Kleintiermodell für die HIV-Infektion entwickelte. Das war schwierig, denn in Ratten oder Mäusen vermehrt sich das Virus nicht, sodass der Verlauf der Erkrankung, insbesondere der massive Verlust von Immunzellen, nur unzureichend darzustellen ist. Auch in dem von Goffinet bearbeiteten Modell erkranken die Nager nicht an AIDS, ihre genetisch modifizierten Immunzellen lassen sich aber immerhin von den Viren infizieren, so dass man Medikamente, die genau dies verhindern sollen, testen kann. Danach baute sie an der Universität von Ulm ihre erste eigene Forschungsgruppe auf, ebenfalls auf dem Gebiet der HIV-Forschung. Drei Jahre später folgte sie dem Ruf auf eine Juniorprofessur an der Medizinischen Hochschule Hannover. In dieser Zeit begann Goffinet neben dem HI-Virus auch das Chikungunya-Virus zu erforschen. Christine Goffinet ist verheiratet und hat eine Tochter.