Von der Theorie in die Praxis: Förderung von Zukunftsprojekten im Bereich gen- und zellbasierter Therapien in ganz Deutschland

Ob Prozessentwicklung, neue Technologien oder Studien und Therapien für genetische Erkrankungen, Autoimmunerkrankungen sowie Krebs: 22 Projekte aus 13 Städten werden im Rahmen der Nationalen Strategie für gen- und zellbasierte Therapien (GCT) durch das Projektförderprogramm SPARK-BIH am Berlin Institute of Health in der Charité (BIH) mit 9,5 Millionen Euro unterstützt. Damit soll bahnbrechende GCT-Forschung in konkrete tragfähige, skalierbare und patientennahe Therapien überführt werden.
Gen- und zellbasierte Therapien werden die Medizin der Zukunft in vielen Bereichen fundamental verändern. Sie eröffnen neue Möglichkeiten für die Behandlung schwerer und bislang unheilbarer Erkrankungen. Teilweise lassen sich mit einmaligen Eingriffen langfristige therapeutische Erfolge und eine nachhaltige Verbesserung der Lebensqualität erzielen. Neben diesen medizinischen Vorteilen bieten GCT auch ökonomische und gesellschaftliche Potenziale. Langfristig können diese Behandlungen Folgekosten reduzieren und dadurch das Gesundheitssystem entlasten. Gleichzeitig stärken Investitionen in Forschung, Entwicklung und Versorgungsstrukturen die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit des Gesundheitsstandorts Deutschland. Die Entwicklung effizienter, sicherer und ökonomisch nachhaltiger Therapieverfahren bietet somit große Zukunftschancen.
Die Brücke zwischen Forschung und klinischer Anwendung in der Gen- und Zelltherapie bauen
Das GCT-Umfeld ist jedoch hochkomplex. Zahlreiche Herausforderungen können dazu führen, dass vielversprechende Ideen und Produkte scheitern – selbst, wenn es sich um chancenreiche Lösungen handelt, die auf den hohen ungedeckten medizinischen Bedarf abzielen. In diesem Kontext kann der Zugang zu Expert*innen schon in einem sehr frühen Stadium die Entwicklung neuartiger Therapien effizienter und erfolgreicher machen.
Genau hier setzt das GCT-Projektförderprogramm von SPARK-BIH an: Basierend auf dem seit 10 Jahren in Berlin etablierten SPARK-BIH Programm und als eine der ersten umgesetzten Maßnahmen der Nationalen Strategie GCT zielt es auf die Unterstützung von Forschungsprojekten, die das Potenzial haben, Therapien mit gen- und zellbasierten Produkten sowie assoziierter Diagnostik schneller in die Anwendung zu bringen. Als Teil des europäischen und des globalen SPARK Netzwerks unterstützt SPARK-BIH den gesamten Prozess – von der frühen Idee bis hin zu einer marktreifen Lösung.
SPARK-BIH bietet zwei Förderlinien an: In Track 1 können sich Projekte in einer frühen Entwicklungsphase auf eine einjährige Förderung von bis zu 50.000 Euro bewerben. Track 2 unterstützt fortgeschrittene Projekte mit über 50.000 Euro über zwei Jahre. Ausgewählte Projekte erarbeiten zusammen mit dem SPARK-BIH Team eine Meilensteinvereinbarung, um die Projekte gezielt mit meilensteinbasierter Förderung und maßgeschneiderter Expertise auf dem Weg der Translation voranzubringen.
Zusätzlich bietet SPARK ein edukatives Programm mit Vorlesungen und Seminaren rund um die Themen biomedizinisch Translation und Entrepreneurship. Die Projektteams werden durch Projektmanager*innen des SPARK-BIH Programms unterstützt und erhalten Zugang zu fachlicher und unternehmerischer Expertise sowie nationalen und internationalen Expert*innen, die passgenau auf die Anforderungen der einzelnen Projekte abgestimmt ist.

Zukunftsweisende GCT-Projekte in ganz Deutschland erhalten Unterstützung
Für die zweite Förderrunde des Programms reichten im Frühjahr 2025 Forschende aus ganz Deutschland ihre Projektpläne ein. Im Ergebnis gehen nun Förderungen an Forschungsvorhaben aus Berlin, Erlangen, Frankfurt, Freiburg, Göttingen, Hannover, Heidelberg, Leipzig, Mannheim, München, Neuherberg, Regensburg und Würzburg. Hier setzen GCT-Forschungsprojekte neue Innovationsakzente: Von einem schnell wirkenden Inhalationsmedikament gegen Parainfluenzaviren über eine optogenetische Gentherapie, die erstmals Hörvermögen zurückbringen soll, bis hin zu hochmodernen Immunzelltherapien gegen Blutkrebsarten und solide Tumoren reicht die Bandbreite der ausgewählten Projekte. Gefördert werden außerdem wegweisende Ansätze gegen neurologische Autoimmunerkrankungen, Leberfibrose und Abwehrreaktion nach Stammzelltransplantation. Parallel werden onkolytische Viren entwickelt für künftige klinische Studien, ein Wirkstoff zur Wiederherstellung wichtiger Nervenzell-Wachstumsfaktoren sowie gen-modifizierte regulatorische Zellen zur Kontrolle der Immunantwort bei Nierentransplantationen. Mit der Entwicklung verbesserter Technologien, zum Beispiel für Immunzelltherapien mittels gen-editierter Zellen, werden zudem Ansätze unterstützt, die das Potenzial haben, die Behandlung genetischer Erkrankungen gezielt weiter voranzubringen. Gemeinsam mit den in der ersten Ausschreibungsrunde ausgewählten Projekten unterstützt SPARK-BIH derzeit 39 Projekte im nationalen GCT-Programm.
„Ich wünschte, es hätte ein Programm wie SPARK-BIH schon gegeben, als ich mit der Entwicklung von Arzneimitteln für neuartige Therapien begann. Ich habe große Freude daran, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei ihrer Arbeit zur Entwicklung neuer Produkte zu unterstützen und auf lange Sicht durch dieses Programm dazu beizutragen, Patientinnen und Patienten neue Perspektiven zu ermöglichen“, sagt Ander Izeta, PhD, ehemaliger Leiter der spanischen Gesellschaft für Gen- und Zelltherapie sowie Mentor im SPARK-BIH Förderprogramm.
„Die SPARK-Methode wurde 2006 an der Stanford University entwickelt und ist seit fast 20 Jahren ein sehr erfolgreiches Vorgehen, um Projekte aus der Forschung in die Anwendung zu bringen und so einen positiven Beitrag für Patient*innen und die Gesellschaft zu leisten. Es ist uns wichtig, den Teams zu vermitteln, wie man Translation - also die gezielte Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in neue Behandlungsansätze, Diagnosemöglichkeiten, und Gesundheitsanwendungen sowie die Entwicklung neuer Forschungsideen - mitdenken muss“, erklärt Dr. Tanja Rosenmund, Leiterin des SPARK-BIH-Programms am Berlin Institute of Health in der Charité.
Weiterführende Informationen
Über Gen- und Zelltherapien
Gen- und Zelltherapien zählen zu den wichtigsten Innovationen im Gesundheitsbereich. Sie haben das Potenzial, die Behandlung von Krebs, Autoimmunerkrankungen, neurodegenerativen Erkrankungen und vielen seltenen genetischen Krankheiten grundlegend neu aufzustellen. Die neuartigen Therapien basieren auf Genen, Geweben oder Zellen und enthalten daher oft lebende Bestandteile. Die deshalb auch als „lebende Medikamente“ bezeichneten Produkte können besser als klassische Arzneimittel individuell auf Patient*innen ausgerichtet werden und eignen sich besonders für die Behandlung von Erkrankungen, die bisher nicht oder nur schlecht behandelbar waren. Obwohl Hunderte klinischer Studien zur Entwicklung von Gen- und Zelltherapeutika laufen, sind bisher nur wenige Produkte in Europa zugelassen.
Über die Nationale Strategie für gen- und zellbasierte Therapien
Die Nationale Strategie GCT wurde 2022 vom damaligen Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF, mittlerweile BMFTR) beauftragt und in einem moderierten Prozess mit rund 150 Stakeholdern erarbeitet. Mit dem Ziel, das Patient*innenwohl und den Biotech-Standort Deutschland aktiv zu fördern, haben Vertreter*innen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft acht Handlungsfelder mit insgesamt 90 konkreten Maßnahmen definiert und im Juni 2024 dem BMBF übergeben. Das Berlin Institute of Health in der Charité (BIH) moderierte die Erarbeitung des Strategiepapiers und hat aktuell die Sprecherschaft inne. Es koordiniert in dieser Rolle die weitere Ausarbeitung und Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen.
Weitere Informationen unter: www.nationale-strategie-gct.de