20 Jahre BCRT!
Persönlichkeiten, die das BCRT geprägt haben
Im Laufe der Jahre hat sich das BCRT durch wissenschaftliche Fortschritte, neue Forschungsrichtungen und die Beiträge zahlreicher herausragender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weiterentwickelt. Auch wenn nicht alle Personen, die Teil dieser Entwicklung waren, hier genannt werden können, würdigt diese Auswahl ehemaliger Principal Investigators diejenigen, die das BCRT in besonderem Maße geprägt und sein wissenschaftliches Profil sowie seine Forschungsrichtungen nachhaltig beeinflusst haben.

Prof. Dr. Hans-Dieter Volk -
Pionier der translationalen Immunologie und Gründungsdirektor des BCRT
Prof. Dr. Hans-Dieter Volk (Dieter) hat das BCRT seit seiner Gründung im Jahr 2006 maßgeblich aufgebaut und geprägt. Als Gründungsdirektor und späterer Sprecher gestaltete er bis Ende 2020 die wissenschaftliche und strategische Entwicklung des Zentrums. Unter seiner Leitung entwickelte sich das BCRT zu einem interdisziplinären Forschungszentrum, das Grundlagenforschung, klinische Expertise und die Entwicklung innovativer Therapien miteinander verbindet. Ein besonderes Anliegen war ihm dabei, wissenschaftliche Erkenntnisse gezielt in neue diagnostische und therapeutische Ansätze für Patienten zu überführen.
Seine eigene Forschung zur T-Zell-vermittelten Immunregulation, Transplantationsimmunologie und zum klinischen Immunmonitoring bildete eine wichtige Grundlage für die translationale Ausrichtung des BCRT. Mit seinen Arbeiten leistete er wesentliche Beiträge zum Verständnis von Abstoßungsreaktionen, Immuntoleranz und infektionsbedingten Immunstörungen. Internationale Forschungsverbünde wie The ONE Study und Bio-DrIM stärkten die Entwicklung zellbasierter Immuntherapien und individualisierter Strategien zur Überwachung und Steuerung der Immunantwort nach Organtransplantation.
Über das BCRT hinaus setzte sich Hans-Dieter Volk für die internationale Vernetzung und klinische Umsetzung regenerativer Therapien ein. Mit der von ihm koordinierten europäischen Initiative RESTORE brachte er führende Forschungseinrichtungen, klinische Partner und weitere Akteure zusammen, um die Entwicklung und breite klinische Anwendung neuartiger Zell- und Gentherapien, Tissue Engineering und innovativer Medizinprodukte voranzutreiben.
Mit seinem wissenschaftlichen Engagement, seiner strategischen Weitsicht und seinem Einsatz für die Verbindung von Forschung und klinischer Anwendung legte Dieter Volk wesentliche Grundlagen für die langfristige Entwicklung und internationale Sichtbarkeit des BCRT.

Prof. Dr. Petra Reinke
Wegbereiterin klinischer Zelltherapien und der personalisierten Transplantationsmedizin
Prof. Dr. Petra Reinke hat die translationale Forschung am BCRT und insbesondere die Entwicklung innovativer zellbasierter Immuntherapien maßgeblich geprägt. Als Gründungsmitglied und langjähriges Mitglied des Steering Committees gestaltete sie die wissenschaftliche Ausrichtung des Zentrums mit. Ihr besonderes Anliegen war es, neue Erkenntnisse der Immunologie in klinisch anwendbare Therapien zu überführen und dafür die notwendigen wissenschaftlichen und regulatorischen Strukturen zu schaffen.
Als Nephrologin und Transplantationsmedizinerin leistete sie wichtige Beiträge zur Entwicklung individualisierter immunsuppressiver Therapien und immunologischer Biomarker. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf regulatorischen T-Zellen (Tregs), mit denen Immunreaktionen nach Organtransplantation gezielt kontrolliert werden sollen. Im Rahmen der internationalen ONE Study gelang ihrem Team ein bedeutender klinischer Meilenstein: Die Behandlung nierentransplantierter Patienten mit körpereigenen Tregs erwies sich als sicher und ermöglichte bei einem Großteil der Patienten eine Reduktion der medikamentösen Immunsuppression. Mit europäischen Forschungsverbünden wie Bio-DrIM, ReSHAPE und geneTIGA sowie nachfolgenden klinischen Studien wie ProTreg trieb sie die Weiterentwicklung und klinische Erprobung innovativer Immuntherapien voran. Weitere Schwerpunkte ihrer Forschung umfassen virus-spezifische T-Zelltherapien zur Behandlung schwerer Infektionen bei immunsupprimierten Patienten.
Ein besonderer Meilenstein war die Entwicklung des Berlin Center for Advanced Therapies (BeCAT), das aus den am BCRT etablierten Strukturen zur GMP-konformen Herstellung von Zelltherapien hervorging. Als Gründungsdirektorin entwickelte Petra Reinke das Konzept für das neue Zentrum, war federführend bei der erfolgreichen Einwerbung der Finanzierung und verantwortete dessen wissenschaftliche, technische und infrastrukturelle Umsetzung. Mit dem BeCAT schuf sie eine zentrale Infrastruktur für die Entwicklung und klinische Anwendung neuartiger Zell- und Gentherapien an der Charité und setzte damit einen wichtigen Meilenstein für die translationale Medizin in Berlin.

Prof. Tobias Winkler
Wegweisend bei der Entwicklung regenerativer Therapien in der Orthopädie
Prof. Tobias Winkler hat die regenerative Orthopädie und Unfallchirurgie am BCRT und an der Charité über viele Jahre entscheidend mitgestaltet. Als Leiter der Regenerativen Orthopädie und Unfallchirurgie am CMSC und BCRT hat er dazu beigetragen, regenerative Therapien nicht nur wissenschaftlich zu entwickeln, sondern auch in der klinischen Versorgung zu etablieren Als Arzt und Wissenschaftler verstand er es, Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung in neue Therapieansätze zu überführen. Sein Ziel war es stets, wissenschaftliche Ideen bis zur klinischen Erprobung und Anwendung weiterzuentwickeln. Ein Beispiel dafür ist die Entwicklung zellbasierter Therapien zur Muskelregeneration. Was vor vielen Jahren mit gemeinsamen experimentellen Arbeiten begann, entwickelte sich zu einem internationalen Forschungsverbund, welcher mit der europäischen Phase-III-Studie HIPGEN eine innovative Zelltherapie zur Verbesserung der Muskelregeneration nach Hüftfrakturen klinisch untersuchte.
Ein weiterer Schwerpunkt war die gezielte Beeinflussung von Entzündungsprozessen zur Verbesserung der Geweberegeneration. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus der Grundlagenforschung entwickelte und erprobte Tobias neue Ansätze zur lokalen Immunmodulation bei der Frakturheilung. Diese langjährige Zusammenarbeit führte schließlich zur PRECISION-Studie. Hier wird die Identifikation von Risikopatientinnen und -patienten anhand eines Biomarkers mit einer gezielten Therapie zur Verbesserung der Knochenheilung verbunden. Auch in der Arthroseforschung setzte Tobias wichtige Impulse. Er initiierte das europäische PROTO-Konsortium und brachte internationale Partner zusammen, um neue Behandlungsansätze für frühe Krankheitsstadien zu entwickeln. Im Mittelpunkt stehen innovative Zelltherapien und gezielte Bewegungstherapien zur Reduktion von Entzündungsprozessen. Darüber hinaus engagierte er sich für die klinische Einführung minimalinvasiver Verfahren, darunter die transarterielle periartikuläre Embolisation (TAPE) zur Behandlung chronischer Gelenkschmerzen.
Eine seiner größten Stärken ist es, Menschen mit unterschiedlichen Expertisen zusammenzubringen und für gemeinsame Ziele zu begeistern. Er denkt über Fachgrenzen hinaus und schafft es, aus wissenschaftlichen Ideen erfolgreiche Kooperationen und Forschungsverbünde zu entwickeln. Als Mitbegründer der internationalen Advanced Therapies in Orthopaedics (ATiO) Foundation fördert er den Austausch zwischen Wissenschaft, klinischer Medizin und Industrie, um innovative Therapien schneller in die Anwendung zu bringen. Tobias hat damit nicht nur wichtige wissenschaftliche und klinische Entwicklungen vorangetrieben, sondern auch die Zusammenarbeit am BCRT nachhaltig geprägt. Als Kollege wird er besonders für seine Offenheit gegenüber neuen Ideen, seine Begeisterungsfähigkeit und seine Beharrlichkeit geschätzt. Sein Antrieb war dabei immer, gemeinsam mit anderen die medizinische Versorgung von Patientinnen und Patienten zu verbessern.