Deutsche Krebshilfe fördert Studie zur Lebertransplantation bei Darmkrebs-Metastasen

Prof. Dr. med. Nathanael Raschzok, Fellow des BIH Charité Advanced Clinician Scientist Pilotprogramms, und seine Arbeitsgruppe an der Chirurgischen Klinik haben eine Förderzusage der Deutschen Krebshilfe für die multizentrische GTO-001-Studie erhalten. Sie soll Patientinnen und Patienten mit nicht resektablen Lebermetastasen eines Darmkrebses in Deutschland den Zugang zur Lebertransplantation eröffnen.
Prof. Dr. med. Nathanael Raschzok, Fellow des BIH Charité Advanced Clinician Scientist Pilotprogramms und Alumnus des BIH Charité Clinician Scientist Programms, und seine Arbeitsgruppe an der Chirurgischen Klinik (Campus Charité Mitte | Campus Virchow-Klinikum) haben eine Förderzusage der Deutschen Krebshilfe über 990.264 Euro erhalten. Die GTO-001-Studie (Deutsche Transplantationsonkologie-Studie 001; NCT07811453) soll die Lebertransplantation für sorgfältig ausgewählte Patientinnen und Patienten mit nicht resektablen Lebermetastasen eines Darmkrebses in Deutschland als Therapieoption etablieren.
Darmkrebs zählt weltweit zu den häufigsten krebsbedingten Todesursachen; etwa die Hälfte der Betroffenen entwickelt Metastasen, häufig in der Leber. Die einzige potenziell heilende Behandlung ist die operative Entfernung – sie kommt jedoch nur für 20 bis 40 Prozent der Betroffenen infrage. Sind die Metastasen weder operativ noch interventionell behandelbar, bleibt bislang nur die palliative Chemotherapie mit einer 5-Jahres-Überlebensrate von rund 10 Prozent.
Die randomisierte europäische TransMet-Studie unter Leitung von Prof. René Adam (Paris) zeigte 2024 in The Lancet, dass ausgewählte Patientinnen und Patienten erheblich von einer Lebertransplantation profitieren: Nach Transplantation und Chemotherapie lebten nach fünf Jahren 73 Prozent, unter alleiniger Chemotherapie 9 Prozent. In Deutschland ist die Lebertransplantation für diese Indikation bislang nur im Rahmen klinischer Studien möglich.
Strenge Patientenauswahl durch ein Nationales Tumorboard
GTO-001 ist eine prospektive, nicht randomisierte interventionelle Studie mit bis zu 19 Zentren in Deutschland. Eingeschlossen werden Patientinnen und Patienten zwischen 18 und 65 Jahren, deren Primärtumor entfernt wurde, die keine Metastasen außerhalb der Leber aufweisen und deren Lebermetastasen seit mindestens sechs Monaten unter Chemotherapie stabil sind. Jeder Fall wird zentral durch das eigens für die Studie etablierte „Nationale Tumorboard für Transplantationsonkologie“ geprüft, in dem erfahrene Chirurginnen und Chirurgen, Radiologinnen und Radiologen sowie Onkologinnen und Onkologen per Videokonferenz beraten. Das Board stimmt der Aufnahme auf die Warteliste nur zu, wenn eine Resektion oder Ablation ausgeschlossen ist und alle Studienkriterien erfüllt sind.
Das Studienprotokoll orientiert sich an der TransMet-Studie, dem Toronto-Protokoll und den Konsensusleitlinien der International Hepato-Pancreato-Biliary Association; zusätzlich dient das in der PET-Bildgebung gemessene metabolische Tumorvolumen als Auswahlkriterium. Transplantiert wird ein Organ aus postmortaler Spende über Eurotransplant oder aus einer Leberlebendspende. Unmittelbar vor der Transplantation wird chirurgisch ausgeschlossen, dass sich der Tumor außerhalb der Leber ausgebreitet hat.
Endpunkte und Perspektive
Primärer Endpunkt ist das 5-Jahres-Überleben nach Lebertransplantation: Die Studie soll zeigen, dass mehr als die Hälfte der transplantierten Patientinnen und Patienten nach fünf Jahren lebt. Da nur ein kleiner Teil bis zur Transplantation alle Kriterien erfüllt, sollen rund 260 Patientinnen und Patienten geprüft werden, um 26 Transplantationen zu erreichen. Sekundäre Endpunkte sind unter anderem das Gesamt- und rezidivfreie Überleben, das Transplantatüberleben und postoperative Komplikationen; explorativ werden Risikoscores und zirkulierende Tumor-DNA untersucht.
Verläuft die Studie erfolgreich, könnte sie die Evidenzgrundlage schaffen, um die Lebertransplantation bei nicht resektablen kolorektalen Lebermetastasen in die deutschen Richtlinien zur Organtransplantation aufzunehmen. Angesichts des Mangels an Spenderorganen ist entscheidend, dass Organe dort eingesetzt werden, wo ein langfristiger Nutzen zu erwarten ist. Zugleich bestehen Risiken – etwa ein Tumorrezidiv unter Immunsuppression.
Die Gesamtstudienleitung liegt bei Prof. Raschzok, Coordinating Investigator ist PD Dr. med. Simon Moosburner, MHBA und Fellow des BIH Charité Clinician Scientist Programm. Begleitet wird die Studie von einem international besetzten Data Safety Monitoring Board (Dr. Elena Elez, Barcelona; Prof. Chiara Cremolini, Pisa; Prof. Pål-Dag Line, Oslo; Dr. Gonzalo Sapisochin, Toronto), einem Advisory Board um Prof. René Adam (Paris) sowie einem Steering Committee mit Prof. Igor M. Sauer, Prof. Johann Pratschke und Prof. Dominik P. Modest (Charité). Die Patientenorganisation Lebertransplantierte Deutschland e. V. war an der Entwicklung des Studiendesigns beteiligt; die Studie ist unabhängig von Industrie. Der Ethikantrag ist in Bearbeitung, der Studienstart für April 2027 geplant.
