Jährlich sterben weltweit über 1,5 Millionen Menschen an Pilzinfektionen, die in die Blutbahn gelangen und auf innere Organe übergreifen. Im Gegensatz zu Bakterien und Viren erhalten solch schwere Pilzinfektionen deutlich weniger Aufmerksamkeit. Dabei sind sie oft besonders schwer zu diagnostizieren und zu behandeln, da es nur wenige wirksame Medikamente gibt. Dr. Hartl und sein Team wollen daran anknüpfen, warum es so wenige Spezies gibt, die schwere Infektionen beim Menschen verursachen, aber viele nah verwandte Pilzarten im klinischen Kontext kaum oder gar nicht auftreten. 

„Das Projekt ‚FungalPath‘ zielt darauf ab, die molekularen Anpassungen zu entschlüsseln, die Pilze benötigen, um systemische Infektionen auszulösen“, erklärt Dr. Hartl. „Indem wir die Unterschiede zwischen pathogenen und harmloseren Verwandten dieser Pilze erforschen, wollen wir zentrale Mechanismen der Pathogenität und damit neue therapeutische Ansätze identifizieren.“ 

Das interdisziplinäre Forschungsteam nutzt modernste Massenspektrometrie, um Proteine und Stoffwechselprodukte zahlreicher Pilzarten zu analysieren – und so funktionelle Unterschiede zu erkennen. Zudem werden zentrale Bedingungen im menschlichen Wirt möglichst realitätsnah erfasst und im Labor simuliert, um mithilfe von Hochdurchsatzverfahren die Reaktionen verschiedener Pilze systematisch zu erfassen. Diese Methoden erlauben es, nicht nur die Anpassungsstrategien der Pilze im Wirt zu verstehen, sondern auch die Reaktionen des Wirts auf die Infektion zu erfassen. Das Zusammenspiel aus Genetik, physiologischen und umweltbedingten Faktoren steht dabei im Mittelpunkt. 

Mit „FungalPath“ verfolgt Dr. Hartl das langfristige Ziel, die Diagnose und Behandlung systemischer Pilzinfektionen deutlich zu verbessern und die medizinische Vorbereitung auf neu auftretende Erreger zu stärken. Das BIH gratuliert Dr. Johannes Hartl herzlich zu dieser bedeutenden Auszeichnung und freut sich auf die spannenden Erkenntnisse seines Projekts. 

Info: 

Der ERC Grant ist eine der wichtigsten Forschungsförderungen Europas. Mit diesem Stipendium unterstützt der European Research Council (ERC) herausragende Wissenschaftler*innen dabei, ihre besten und mutigsten Ideen umzusetzen, unabhängig vom Fachgebiet. Ziel ist es, Spitzenforschung zu fördern, die neue Erkenntnisse bringt und die Wissenschaft entscheidend voranbringt. Der ERC Grant gilt als besonders prestigeträchtig und wettbewerbsintensiv.