Fünf Charité-Projekte qualifizieren sich (erneut) für GO-Bio initial Programm

Insgesamt fünf durch Charité BIH Innovation – dem gemeinsamen Technologietransfer von Charité und BIH – betreute Projekte konnten sich erfolgreich für das GO-Bio initial Programm des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) qualifizieren. Während NEUROLITH im Dezember 2025 die zweijährige Machbarkeitsphase beginnt, starteten die Newcomer ZELF, G-CESE, ReTree-Therapeutics und Bolly die einjährige Sondierungsphase des Programms bereits im Oktober 2025.

NEUROLITH konnte sich als eines von insgesamt neun Teams deutschlandweit für die Machbarkeitsphase des GO-Bio initial Programms qualifizieren. Gefördert wird das Gemeinschaftsprojekt von Charité – Universitätsmedizin Berlin (Projektleitung Jacob Spinnen, MD/PhD), Fraunhofer ISC in Würzburg (Projektleitung Dr. Bastian Christ) und Helmholtz Zentrum Hereon (Projektleitung Dr. Katarzyna Polak-Krásna) mit insgesamt 1.000.000 Euro. 500.000 Euro davon gehen an die Charité. Ihr neues Gewebeimplantat soll in Zukunft zur kausalen Therapie der traumatisch bedingten Rückenmarksverletzung eingesetzt werden und somit der erste gezielte Therapieansatz für Rückenmarksverletzungen werden. Nach Abschluss der einjährigen Sondierungsphase im Oktober 2025 startet das Projekt ab Dezember 2025 in die sogenannte Machbarkeitsphase. Während dieser zweijährigen Förderphase sollen sowohl ein abgeschlossenes Proof-of-Principle des Gewebeimplantats erreicht als auch Funktion und Handling des Gewebeimplantats getestet werden.
Das interdisziplinäre Team von NEUROLITH besteht aus Jacob Spinnen, MD/PhD und Lennard Shopperly (Laborleitung BioReconstruction Lab), fachliche Expertise im Bereich Rückenmarkverletzungen werden von Funktionsoberärztin Dr. med. Vanessa Hubertus und Laurens Roolfs gegeben. Das Team arbeitet an der Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie (mit Unterstützung der Leitung Univ. Prof. Dr. Wolfgang Ertel) und Klinik für Neurochirurgie mit Arbeitsbereich Pädiatrische Neurochirurgie (mit Unterstützung von Prof. Dr. med. Peter Vajkoczy).
Die folgenden vier Teams starteten im Oktober 2025 die Sondierungsphase:
ZELF – Hochfunktionale Zelltherapie: Die nächste Generation der Präzisionsmedizin (Projektleitung Dania Hamo). Das Projekt basiert auf der adaptiven T-Zelltherapie, bei der regulatorische T-Lymphozyten (Tregs) gezielt genutzt werden, um Autoimmunerkrankungen und Transplantationsmedizin zu behandeln und trägt zur Entwicklung einer hochfunktionalen Zelltherapie bei.
Growth-Coupled Enzyme Selection and Evolution (G-CESE) (Projektleitung Jan Krüsemann, PhD) nutzt genetisch modifizierte Bakterienstämme zur Entwicklung von effizienteren Enzymen im Hochdurchsatz. Indem die Fitness der Bakterienstämme von der Funktionalität einzelner Enzyme abhängig gemacht wird, lässt sich die natürliche Selektion der Natur gezielt einsetzen: Verbesserte Enzymaktivität verschafft den Bakterien einen evolutionären Vorteil und ermöglicht die Entwicklung effizienterer Enzyme.
ReTree-Therapeutics(Projektleitung Dr. med. Milad Rezvani) entwickelt eine Drug-Discovery-Plattform für Lebererkrankungen im Kindesalter, allen voran die Gallengangsatresie, dem häufigsten Grund für Lebertransplantation im Kindes- und Jugendalter. Hierbei wird eine Patienten-Omics-Datenbank aufgebaut und Patienten-Organoide zur therapeutischen Target-ID genutzt.
Bolly(Projektleitung PD Dr. Boris Schmitt, Elisabeth Krenkler) entwickelt eine neuartige Behandlungsmöglichkeit von extrem Frühgeborenen durch den Einsatz eines tragbaren Systems zur Imitation des weiblichen Uterus. Extrem frühgeborenen Kindern fehlen im Brutkasten (dem bisherigen Goldstandard der Behandlung) wichtige Reize, die für ihre körperliche und psychische Entwicklung notwendig sind. Durch die Nachahmung der uterinen Umgebung mit Körperkontakt können diese Reize gezielt vermittelt werden, um eine möglichst ungestörte Weiterentwicklung zu ermöglichen.
Das GO-Bio initial Programm fördert die Identifizierung und Entwicklung früher lebenswissenschaftlicher Forschungsansätze mit erkennbarem Innovationspotenzial in zwei verschiedenen Förderphasen: Die GO-Bio initial Sondierungsphase unterstützt ausgewählte Projekte ein Jahr lang mit 100.000 Euro und fachlicher Beratung. Dabei sollen Ideen weiterentwickelt werden, insbesondere aus den Bereichen „Therapeutika, „Diagnostika“, „Plattformtechnologien“ und „Forschungswerkzeuge”, von der konzeptionellen Ausgestaltung über die Machbarkeitsprüfung bis hin zur Sondierung möglicher Verwertungsoptionen.
Erfolgreiche Sondierungsprojekte erhalten in einem zweiten Auswahlverfahren die Möglichkeit, in die zweijährige Machbarkeitsphase überzugehen, um den technischen Proof-of-Principle zu erbringen. Die Forschenden können hierbei Unternehmen als assoziierte Partner einbinden. Das BMFTR gewährt bis zu 500.000 Euro für Einzelvorhaben und bis zu 1.000.000 Euro für Verbundvorhaben. Bewerben können sich Wissenschaftler*innen, die sich eine Karriere außerhalb des klassischen Wissenschaftssystems vorstellen können, wie z.B. in einer Ausgründung oder in der Industrie.
Unsere Gründungsberaterin Dr. Bettina Otto unterstützte die Teams bei den Vorbereitungen und wird ihnen auch während der Laufzeit des Programms weiterhin beratend zur Seite stehen. Interessierte Wissenschaftler*innen können sich mit Fragen unter bettina.otto@bih-charite.de melden und bis zum 15. Februar 2026 erneut für die Aufnahme in das Förderprogramm bewerben.