Internationale Auszeichnung für Forschung zu einer seltenen Form von Eierstockkrebs

Ein Forschungsteam unter Leitung von Prof. Dr. Kirsten Kübler am Berlin Institute of Health in der Charité (BIH) erhält für sein Forschungsprojekt zur Entstehung des muzinösen Ovarialkarzinoms den Rhonda’s Award 2027 der Mucinous Ovarian Cancer Coalition. Mit dieser Auszeichnung ist eine Forschungsförderung von 100.000 US-Dollar verbunden. Die Forschenden untersuchen, aus welchen Zellen diese seltene Form von Eierstockkrebs entsteht und welche frühen Veränderungen die Entwicklung des Tumors beeinflussen. Ziel ist es, Biomarker zu identifizieren, die künftig helfen könnten, das individuelle Erkrankungsrisiko besser einzuschätzen und neue Ansätze für eine gezieltere Behandlung zu entwickeln. Im Interview spricht Prof. Dr. Kirsten Kübler über die Bedeutung der Auszeichnung, die Ziele ihres Forschungsprojekts und die nächsten Schritte.
Was bedeutet der Preis für Ihre Arbeit und für Sie persönlich?
Diese Auszeichnung ist für unsere Arbeit von besonderer Bedeutung, da sie es uns ermöglicht, bislang ungeklärte Aspekte der Entstehung des muzinösen Ovarialkarzinoms zu untersuchen. Es freut und motiviert mich persönlich besonders, dass unsere Forschung von einer Organisation unterstützt wird, die eng mit Patientinnen und deren Familien verbunden ist. Das bestärkt uns darin, unsere Erkenntnisse langfristig für Patientinnen nutzbar zu machen.
Was hat die Jury an Ihrer Arbeit besonders überzeugt, wofür genau sind Sie ausgezeichnet worden?
Ich glaube, dass die Verbindung verschiedener Fachrichtungen eine besondere Stärke unserer Arbeit ist. Dabei verknüpfen wir gemeinsam mit Dr. Francesca Tiso vom BIH und Dr. Eldar Abdullaev vom Max-Planck-Institut für molekulare Genetik klinische Fragestellungen mit genomischen Experimenten und computergestützten Analysen. Dies erlaubt uns, die Entstehung des muzinösen Ovarialkarzinoms aus unterschiedlichen, aber sich ergänzenden Perspektiven zu beleuchten. Unser Projekt wurde dafür gewürdigt, dass es sich mit der grundlegenden Frage befasst, aus welchem normalen Zelltyp das muzinöse Ovarialkarzinom entsteht und wie dieser zelluläre Ursprung das spätere Tumorverhalten beeinflusst.
Was waren die größten Herausforderungen in den letzten Forschungsjahren und was hat Sie motiviert, weiterzumachen?
Eine große Herausforderung ist die Analyse möglicher Vorläuferläsionen des muzinösen Ovarialkarzinoms, da diese häufig klein sind und nur in archivierten Gewebeproben vorliegen. Dies erschwert die molekulare Charakterisierung und macht es notwendig, neue Methoden zu entwickeln. Motiviert hat uns dabei insbesondere das biologische Rätsel, das diese Erkrankung darstellt. Die Tumorzellen des muzinösen Ovarialkarzinoms ähneln den schleimproduzierenden Zellen des Magen-Darm-Trakts, obwohl solche Zellen natürlicherweise weder im Ovar noch im Eileiter vorkommen. Es ist daher faszinierend zu verstehen, aus welchem normalen Zelltyp das muzinöse Ovarialkarzinom hervorgeht und zu welchem Zeitpunkt in der Tumorgenese sich diese, für das Ovar, ungewöhnlichen Zelleigenschaften ausbilden.
Welche konkreten Unterschiede kann Ihre Forschung für Patientinnen machen?
Das muzinöse Ovarialkarzinom ist eine klinische Herausforderung, da die Erkrankung biologisch sehr heterogen ist und die derzeitige Klassifizierung diese Heterogenität nur begrenzt abbildet. Mittels der Untersuchung möglicher Ursprungszellen und unterschiedlicher Entwicklungswege können wir die biologische Grundlage dieser Heterogenität besser verstehen und Marker identifizieren, die langfristig eine präzisere Risikostratifizierung ermöglichen und so helfen, die Therapie an das individuelle Risiko anzupassen.
Was möchten Sie mit Ihrer Forschung als Nächstes erreichen und welche Frage treibt Sie aktuell besonders um?
Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit mit unseren Kolleginnen und Kollegen in Berlin und auch international. Hierbei treibt mich insbesondere die Frage um, wie früh in der Entwicklung eines Tumors diejenigen Eigenschaften festgelegt werden, die später seinsein Verhalten bestimmen. Die Beantwortung dieser Frage ist weit über das muzinöse Ovarialkarzinom hinaus relevant und könnte wesentlich dazu beitragen, besser zu verstehen, warum Tumorerkrankungen bei verschiedenen Patientinnen und Patienten so unterschiedlich verlaufen.