Interview mit Bundesforschungsministerin Dorothee Bär anlässlich des GeneNovate Investors' Day

Biotechnologie gilt als eine der Schlüsseltechnologien der Hightech Agenda Deutschland und soll die Entwicklung der Medizin von morgen vorantreiben. Im Interview anlässlich des GeneNovate® Investors´ Day am 9. Juni erläutert Ministerin Dorothee Bär die Bedeutung von Gen- und Zelltherapien, bewertet das Investitionsklima für innovative Therapien in Deutschland und zeigt auf, wie Kooperationen, Fördermaßnahmen und neue Strukturen den Transfer von Forschungsergebnissen in die klinische Anwendung beschleunigen sollen.
Welche Bedeutung hat die Biotechnologie in der Hightech Agenda Deutschland?
Die Hightech Agenda Deutschland (HTAD) definiert die Biotechnologie als eine von sechs Schlüsseltechnologien. Wir wollen durch Biotechnologie Deutschlands Souveränität in der Entwicklung der Medizin von morgen stärken und damit Deutschland zu einem Spitzenstandort für die Gesundheitsforschung machen. Eine besondere Bedeutung hat die Gen- und Zelltherapie in unserer Gesellschaft, denn sie verspricht Heilung statt Behandlung: Sie markiert den Paradigmenwechsel und Durchbruch zu einer Medizin, die durch einmalige Eingriffe die Ursachen von Krankheiten (präventiv) behebt, statt nur deren Symptome lebenslang zu verwalten.
Wie bewerten Sie das aktuelle Investitionsklima in Deutschland für gen- und zellbasierte Therapien im internationalen Vergleich?
Wir wollen Deutschland zu einem weltweit führenden Standort für die Entwicklung, Herstellung und kommerzielle Anwendung von Gen- und Zelltherapien ausbauen. In einer Zeit multipler Krisen ist es für niemanden leicht ein Risiko einzugehen, auch nicht für Investoren. Ich möchte Investorinnen und Investoren jedoch zurufen: Deutschland ist ein Spitzenstandort für Gesundheitsforschung - Hier zu investieren lohnt sich! Wir haben in Deutschland viele junge Start-Ups und mutige Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler mit großartigen Ideen, das zeigt auch der heutige GeneNovate® Investors´ Day.
Welche politischen Hebel sind entscheidend, um den Transfer von Innovationen schneller in die Versorgung zu bringen, Ausgründungen aus der Forschung gezielt zu unterstützen und ihre Finanzierung zu verbessern? Welche Rolle übernimmt das BMFTR dabei?
Gerade in der heutigen Zeit setzen wir mit der HTAD und dem Wissenschaftsjahr bewusst auf Kooperation und ein breites Miteinander. Ein gemeinsames, integratives Vorgehen ist dabei notwendig, um Synergien zu definieren, die über einzelne Standortinteressen hinausgehen. Das Zusammenbringen, Zusammenwirken und gemeinsame Auftreten von Akademie und Wirtschaft sind notwendig – so werden wir im internationalen Wettbewerb erfolgreich sein. Die Investorenkonferenz ist dafür ein hervorragendes Beispiel mit Vorbildwirkung.
Das BMFTR unterstützt die Umsetzung der Nationalen Strategie für gen- und zellbasierte Therapien, die vom BMFTR in Auftrag gegeben wurde und vom Berlin Institut of Health (BIH) koordiniert wird. Darüber hinaus entsteht derzeit u.a. mit unserer Unterstützung das Berlin Center for Gene and Cell Therapies, das in 2028 eröffnet wird. Das Center wird ein Biotech-Ökosystem, das Start-ups dabei unterstützt, ihre Ansätze für neuartige Therapeutika schnell in die klinische Entwicklung zu bringen.