Welche Fragestellung wollten Sie beantworten, was hat Sie besonders interessiert? 

Die Arthrose des Kniegelenks, auch Gonarthrose genannt, ist eine der größten globalen Gesundheitsherausforderungen und einer der häufigsten Gründe für körperliche Behinderung im Alter. Gleichzeitig reichen für viele unserer Patientinnen und Patienten die etablierten Maßnahmen schlicht nicht aus, während ein Kniegelenksersatz nicht in Frage kommt oder nicht gewünscht ist. Genau in dieser Versorgungslücke setzen wir mit der Embolisation der Genikulararterien (GAE) an. Bei diesem minimal-invasiven Verfahren verschließen wir über einen feinen Katheter gezielt jene kleinen Blutgefäße rund um das Kniegelenk, die durch die Arthrose krankhaft vermehrt sind und maßgeblich an Entzündung und Schmerzentstehung beteiligt sind. Mich hat vor allem die Frage interessiert, ob wir mit den in dieser Arbeit verwendeten Mikropartikeln, die in Größe und Eigenschaften standardisiert und deshalb gut kontrollierbar sind, eine reproduzierbare und sichere Therapie etablieren können. Es ging uns neben der technischen Durchführung aber auch um die übergeordnete Frage, wie sich die GAE als verlässliche Behandlungsoption für eine sehr große und heterogene Patientengruppe etablieren lässt. 

Welche spezifischen Herausforderungen gab es bei der Entwicklung Ihres Ansatzes? 

Die zentrale Herausforderung lag in der sorgfältigen Patientenauswahl. Knieschmerz ist immer multifaktoriell, folglich gibt es auch kein alleiniges Allheilmittel. Deshalb haben wir von Anfang an sehr eng mit der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie zusammengearbeitet und jeden Fall gemeinsam in einem interdisziplinären Board besprochen. Hinzu kommen die technischen Anforderungen des Eingriffs. Die Genikulararterien sind sehr kleine und anatomisch variable Gefäße. Die GAE erfordert ein hohes Maß an Präzision, um die pathologische Hypervaskularisation gezielt anzugehen, ohne gesundes Gewebe zu beeinträchtigen. Auch die strukturierte, Erfassung patientenberichteter Endpunkte über zwölf Monate hinweg war ein erheblicher logistischer Aufwand, der nur durch ein eingespieltes und engagiertes Studienteam zu bewältigen war. Hinter einer Publikation wie dieser steht immer ein ganzes Team, und mein ausdrücklicher Dank gilt allen Kolleginnen und Kollegen, die diese Arbeit mit großem persönlichem Einsatz und Sorgfalt mitgetragen haben. 

Was hat Sie überrascht und ggf. warum? Was war neu? 

Am meisten überrascht hat uns das frühe Einsetzen und die Konstanz der Schmerzreduktion. Der durchschnittliche Schmerzwert auf der numerischen Schmerzskala sank bei den behandelten Patient*innen von 7/10 auf 3/10 und blieb dann über das Beobachtungsjahr konstant niedrig. Genauso bemerkenswert finde ich, dass 55 bis 80 Prozent unserer Patientinnen und Patienten klinisch bedeutsame Verbesserungen erreichten, und zwar nicht nur beim Schmerz, sondern auch in den Bereichen Alltagsaktivitäten, Sport und Lebensqualität. Neu an dieser Arbeit ist vor allem die Größe und das systematische Studiendesign in einer Methodik, zu der bislang kaum klinische Daten existieren. Damit reiht sich die Studie in eine wachsenden Evidenzbasis zu muskuloskelettalen Embolisation ein, an dem wir, die Charité auch unabhängig von dieser Arbeit klinisch und wissenschaftlich führend beteiligt sind. Gerade für die wissenschaftliche Integration einer solchen Therapie war meine Förderung durch das BIH essenziell. Wissenschaft braucht geschützte Freiräume, um neben der Patientenversorgung qualitativ hochwertige Studien planen und durchführen zu können. Genau diese Räume schafft das BIH Charité Clinician Scientist Programm. 

Welche Bedeutung könnte der Erfolg für künftige Patient*innen haben? 

Wie bereits erwähnt besteht für viele Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittener Kniegelenksarthrose heute eine reale Versorgungslücke. Etablierte Therapien wie intraartikuläre Injektionen wirken nicht mehr ausreichend, ein Gelenksersatzkommt aus medizinischen, persönlichen oder biografischen Gründen aber (noch) nicht in Frage. Die GAE kann hier eine sichere, vergleichsweise unkompliziert durchführbare Therapie sein, die Schmerzen reduziert und die Gelenkfunktion verbessert. Mit jeder gut dokumentierten Kohorte wächst die Evidenzbasis für diese Therapieform, und je breiter wir sie etablieren, desto leichter wird der Zugang für Menschen, die heute oft jahrelang mit chronischen Knieschmerzen leben. 

Wo sehen Sie die translationale Brücke zwischen Forschung und Anwendung? 

Die wichtigste Brücke entsteht für uns nicht über ein einzelnes Verfahren, sondern über die Strukturen, die wir geschaffen haben und kontinuierlich ausbauen. Gemeinsam mit der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie weiteren klinischen Partnern und Forschungseinrichtungen weltweit bauen wir an der Charité ein Cluster auf, das sich gezielt mit minimal-invasiven muskuloskelettalen Embolisationsverfahren beschäftigt. Auf der wissenschaftlichen Seite ist das BIH für uns ein entscheidender Partner, weil es genau den Übergang zwischen Grundlagenforschung, translationaler Wissenschaft und klinischer Anwendung ermöglicht. So entsteht ein Umfeld, in dem mechanistische Fragestellungen, Studiendesign und Patientenversorgung Hand in Hand gehen, und das ist meines Erachtens die eigentliche translationale Brücke.