6R: 3R (Replace, Reduce, Refine) + Robustness, Registration, Reporting in der Organmodellforschung

3D in vitro Organmodelle haben großes Potential, Tierversuche zu ergänzen oder zu ersetzen und die translationale Forschung zu verbessern. In Zusammenarbeit mit Organmodell-Forschenden implementieren wir 6R Maßnahmen zur Entwicklung und breiten Akzeptanz von robusten Organmodellen.

Hintergrund

Menschliche Organmodelle (Organoide, Multiphysiologische Systeme, Chips, Explants, etc.) eröffnen einzigartige Möglichkeiten für die Erforschung menschlicher Krankheiten und die zielgerichtete Entwicklung von individuellen Behandlungsmethoden. Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass 3D-Organmodelle die menschliche Biologie besser widerspiegeln können als traditionelle 2D-Zellkulturen und viele Tiermodelle.

Entscheidend für die breite Akzeptanz und erfolgreiche Anwendung dieser Alternativmethoden in der translationalen biomedizinischen Forschung ist jedoch der Nachweis ihrer Zuverlässigkeit und Robustheit. Unser Team am QUEST Center arbeitet an folgenden zwei 6R Projekten mit Organmodelforschenden in Deutschland:

6R cross-sectional Projekt im Einstein Center 3R Berlin

  • 6R cross-sectional Projekt im Einstein Center 3R Berlin

    Das QUEST Center ist Partner im Einstein Center 3R Berlin und leitet hier das "6R cross-sectional project" mit dem Ziel, den 3R-Fokus (Replace, Reduce, Refine)um weitere 3Rs zu erweitern: Robustness, Registration, Reporting.

    Weitere Informationen zum EC3R finden Sie hier.

    Zielsetzung

    Unser Ziel ist es, die Robustheit von Organmodellen in Projekten des EC3R zu erhöhen, reproduzierbare Ergebnisse zu erzielen und die Übertragbarkeit und Verbreitung dieser alternativen Modellsysteme in enger Zusammenarbeit mit den Experten des EC3R zu ermöglichen.

    Methodik

    Zusammen mit den Forschenden am EC3R untersuchen wir die Validität der entwickelten Organmodelle in den verschiedenen Forschungsprojekten.

    Wir unterstützen die Forschergruppen durch eine detaillierte Dokumentation der experimentellen Abläufe und erhöhen so die Transparenz im Forschungsfeld und die Reproduzierbarkeit der Modellsysteme. Dabei soll die externe Validität und Anpassungsfähigkeit von Organmodellen durch die Implementierung in Partnerlaboren nachgewiesen werden. Wir begleiten verschiedene Transferprozesse und Verbreitungsstrategien von menschlichen Organmodellen aus den EC3R-Laboren in die Berliner Forschungslandschaft und darüber hinaus.

    Erwartete Ergebnisse / Implikationen / Perspektiven

    Die Entwicklung und Anwendung von 6R-Prinzipien in der Organmodellforschung soll die Transparenz in diesem innovativen Forschungsfeld erhöhen, und Maßnahmen hin zu robusten und reproduzierbaren Modellen und Ergebnissen liefern. 

    Unsere gewonnenen Erkenntnisse werden wir der Forschungsgemeinschaft zur Verfügung stellen und so die breite Akzeptanz der Organmodellsysteme als innovative Krankheitsmodelle und Alternativen zu bestimmten Tiermodellen weiter voranbringen.

Systematische Reviews für in vitro Organmodelle

  • Systematische Reviews für in vitro Organmodelle

    Systematische Reviews sind ein anerkanntes Verfahren in der klinischen Forschung, um evidenzbasierte Erkenntnisse zu gewinnen und zukünftige Forschung zu informieren.

    Diese umfassende und objektive Zusammenfassung von veröffentlichten Studien und deren Bewertung ist bisher nicht in der explorativen in vitro Forschung etabliert. Am QUEST Center arbeiten wir zusammen mit dem CAMARADES Berlin Team an verschiedenen Pilotprojekten, um die Methodologie eines Systematischen Reviews auf die biomedizinische in vitro Forschung zu adaptieren.

    Zielsetzung

    Unser Team leitet verschiedenen systematische Reviews, um den aktuellen Forschungsstand und die Anwendung von Alternativmodelle in der biomedizinischen Forschung zu evaluieren. Diese Evidenzbasierte Zusammenfassungen können weitere Forschungsfragen informieren und ermöglichen es den Forschenden, Qualitäts- und Dokumentationsstandards zu definieren.

    Methodik

    Anhand verschiedener systematischer Reviews evaluieren wir die Literatur im Bereich der in vitro Alternativmodelle. Zur Zeit führen wir zusammen mit einem Team von 35 Organmodellforschenden aus dem EC3R und ganz Deutschland einen großangelegten systematischen Review durch, der den Einfluss von humanen Organmodellen zur COVID-19 Forschung darstellt. Hier werden experimentelle, quantitative und qualitative Informationen aus der publizierten Fachliteratur extrahiert und analysiert. (Die Prä-Registrierung dieser Studie finden Sie hier).

    In einem weiteren systematischen Review fokussieren wir uns auf die technischen Fortschritte und die Dokumentationsqualität in Publikationen zum 3D bioprinting von Lebermodellen (Die Prä-Registrierung dieser Studie finden Sie hier).

    Erwartete Ergebnisse / Implikationen / Perspektiven

    In Zusammenarbeit mit dem CAMARADES Berlin Team etablieren wir neue methodische Strategien zur Durchführung von systematischen Reviews in der biomedizinischen in vitro Forschung. Gerade für das schnelllebige Forschungsfeld der Organmodellentwicklung sind systematische Reviews eine vielversprechende Maßnahme, um den Einfluss und das Potential der Alternativmodelle umfassend darzustellen.

    Der aktuell durchgeführte systematische Review zur Rolle von humanen Organmodellen in der COVID-19 Forschung wird aufzeigen, welche Modelle, Assays und Ergebnisse geliefert wurden und wie die Qualität der veröffentlichten Daten eingeordnet werden kann.

HOPE-IBD: Transdisziplinärer Austausch für relevante präklinische Modelle

  • HOPE-IBD: Transdisziplinärer Austausch für relevante präklinische Modelle

    Im Rahmen des 6R-Projekts wurde gemeinsam mit der Unit Responsible PrecliniX und Forschenden am BIH QUEST Center for Responsible Research sowie Forschenden aus dem EC3R das Projekt "HOPE-IBD" entwickelt. HOPE-IBD ist ein transdisziplinäres Forschungsprojekt, das unterschiedliche Perspektiven aus Wissenschaft, Medizin und gelebter Erfahrung zusammenbringt, um präklinische und klinische Forschung an chronisch entzündlichen Darmerkrankungen patientenrelevanter zu gestalten.

    Zielsetzung

    Ziel von HOPE-IBD ist es, die Übertragbarkeit von Ergebnissen aus präklinischer Forschung zu chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED, engl.: Inflammatory Bowel Diseases (IBD)) in die klinische Praxis und Gesundheitsversorgung zu verbessern. 

    Methodik

    Als Grundlage wird eine systematische Literaturanalyse durchgeführt, um festzustellen, welche Messungen und Parameter in vorklinischen (Tier- und Zellkultur-) und klinischen Studien durchgeführt und erfasst werden. Das Projekt bringt dann Betroffene, Kliniker:innen, präklinische Forschende sowie Expert:innen aus Industrie und Regulatorik in Fokusgruppen und einem anschließenden Konsensus-Workshop zusammen. Gemeinsam wird diskutiert, welche Zielgrößen in der Klinik und im Alltag mit CED besonders wichtig sind und wie sich diese in Tier- und Zellkulturmodellen sinnvoll abbilden lassen. Die Ergebnisse werden in einem strukturierten Konsensprozess zusammengeführt.

    Erwartete Ergebnisse / Implikationen / Perspektiven

    Zentrales Ergebnis ist ein praxisnaher Leitfaden für die präklinische CED-Forschung, der Open Access veröffentlicht wird. Ergänzend werden die Inhalte in verständlicher Form aufbereitet und über Patient:innenorganisationen verbreitet. Das Projekt schafft damit eine Grundlage für besser vergleichbare, patientenrelevante und translational aussagekräftigere präklinische Studien.
    Neben der Einstein Stiftung wird das Projekt im Bereich des Patient Engagements durch eine Förderung des BUA TD-Labs gefördert. Nähere Informationen hier.

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