Brustkrebs: Die Lebensqualität nach der Erkrankung verbessern

Die akute Brustkrebsbehandlung ist überstanden – doch für viele Betroffene ist die Erkrankung damit längst nicht vorbei. Nebenwirkungen der Therapie, anhaltende Erschöpfung oder psychische Belastungen können die Lebensqualität noch Jahre später beeinträchtigen. Das Forschungsprojekt BALANCE-ET möchte die langfristigen Folgen von Brustkrebs und seiner Behandlung besser verstehen und dazu beitragen, die Versorgung individueller auf die Bedürfnisse der Betroffenen abzustimmen. Teil des Projekts ist eine deutschlandweite Fragebogenkampagne, an der alle Menschen teilnehmen können, die an Brustkrebs erkrankt sind oder waren. Im Interview erklärt Dr. Saskia Trump, die das BIH in dem Forschungskonsortium vertritt, welche Erkenntnisse sich das Forschungsteam erhofft und warum jede Erfahrung zählt.
Viele Frauen haben eine akute Brustkrebsbehandlung hinter sich, nehmen aber noch über Jahre eine antihormonelle Therapie ein. Welche körperlichen und seelischen Belastungen können damit verbunden sein und warum ist es wichtig, die Lebensqualität dieser Frauen stärker in den Blick zu nehmen?
Die endokrine Therapie hat die Behandlung von hormonabhängigem Brustkrebs entscheidend verbessert und trägt wesentlich dazu bei, das Rückfallrisiko zu senken. Für viele Frauen ist die Behandlung mit dem Ende der akuten Krebstherapie jedoch noch lange nicht abgeschlossen. Nebenwirkungen wie Gelenk- und Muskelschmerzen, Wechseljahresbeschwerden, Schlafstörungen und insbesondere Fatigue, eine anhaltende, oft sehr belastende Erschöpfung, können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Hinzu kommen mögliche psychische Belastungen wie depressive Verstimmungen oder Konzentrationsprobleme. Für viele Brustkrebsüberlebende bleibt die Erkrankung damit auch Jahre nach der Diagnose Teil ihres Alltags.
Genau hier setzt unser Forschungsprojekt BALANCE-ET an. Wir möchten molekulare Markersignaturen, insbesondere auf Basis von Stoffwechselprodukten, entwickeln, die helfen könnten, Frauen mit einem hohen Rückfallrisiko zu identifizieren, die besonders von einer verlängerten endokrinen Therapie profitieren könnten. Frauen mit geringem Rückfallrisiko und starken Nebenwirkungen könnte dagegen möglicherweise eine unnötige Verlängerung der Behandlung erspart bleiben. Bislang fehlen ausreichend präzise Möglichkeiten für eine solche individuelle Abwägung. Mit BALANCE-ET möchten wir dazu beitragen, die Rückfallprävention und die langfristige Lebensqualität der Patientinnen besser in Einklang zu bringen.
Mit BALANCE-ET wollen Sie die langfristigen Folgen der Therapie besser verstehen. Welche Erkenntnisse erhoffen Sie sich von der geplanten deutschlandweiten Fragebogenkampagne, die Teil dieses Projekts ist?
Mit unserer deutschlandweiten Befragung möchten wir besser verstehen, wie sich eine Brustkrebserkrankung und ihre Behandlung auf das Leben der Betroffenen auswirken – insbesondere auch Jahre nach Abschluss der akuten Therapie. Welche körperlichen und psychischen Belastungen bleiben bestehen? Wie beeinflussen sie den Alltag und das Wohlbefinden? Und welche Bedürfnisse haben Menschen, die mit oder nach einer Brustkrebserkrankung leben?
Obwohl BALANCE-ET speziell auf die endokrine Therapie bei hormonabhängigem Brustkrebs ausgerichtet ist, möchten wir mit der Befragung bewusst eine breitere Perspektive einnehmen. Deshalb sind alle Menschen eingeladen, die an Brustkrebs erkrankt sind oder waren – unabhängig vom Brustkrebs-Subtyp oder der erhaltenen Therapie. Auch Männer sind ausdrücklich willkommen.
Wir erhoffen uns dadurch ein umfassenderes Verständnis der langfristigen Herausforderungen von Brustkrebsüberlebenden. Die Erkenntnisse sollen helfen, mögliche Versorgungslücken zu erkennen und neue Forschungsansätze zu entwickeln, die stärker auf die Bedürfnisse der Betroffenen ausgerichtet sind.
Warum ist es so wichtig, dass möglichst viele Betroffene ihre Erfahrungen einbringen?
Meine wichtigste Botschaft ist, dass jede persönliche Erfahrung zählt. Eine Brustkrebserkrankung kann das Leben noch lange nach Abschluss der Behandlung beeinflussen. Deshalb ist es wichtig, dass wir nicht nur das Überleben, sondern auch die Lebensqualität in den Jahren danach stärker in den Blick nehmen.
Wir möchten ausdrücklich auch diejenigen zur Teilnahme ermutigen, die ihre Behandlung gut vertragen haben oder deren Erkrankung bereits viele Jahre zurückliegt. Nur durch möglichst unterschiedliche Erfahrungen können wir ein ausgewogenes Bild gewinnen und besser verstehen, was Brustkrebsüberlebende langfristig benötigen.
Die Befragung wird online möglich sein. Derzeit treffen wir noch die letzten Vorbereitungen für den Start. Interessierte können sich bereits jetzt auf unserer Projektwebsite über BALANCE-ET informieren. Sobald die Befragung startet, wird dies dort bekanntgegeben.
Über BALANCE-ET
BALANCE-ET – Endokrine Therapie im Gleichgewicht: Individualisierte Verbesserung der Lebensqualität von Brustkrebsüberlebenden. Die Projektkoordination von BALANCE-ET liegt beim Uniklinikum Essen, federführend geleitet von Prof. Kathrin Thedieck. Als Projektpartner sind die Standorte Augsburg (Prof. Andreas Raue, Universität Augsburg), Heidelberg (Prof. Christiane Opitz, Dr. Cindy Körner, Deutsches Krebsforschungszentrum), Berlin (Dr. Saskia Trump, Berlin Institute of Health in der Charité), Dresden (Prof. Jan Dominik Kuhlmann, Uniklinikum Dresden) sowie die Medizinische Universität Innsbruck (MUI, Prof. Daniel Egle, Dr. Heidelinde Fiegl) als assoziierte Partnerin beteiligt.