Wissenschaftlerinnen als Namensgeberinnen im Rahel Hirsch Center
Sichtbarkeit und Anerkennung

Frauen in der Wissenschaft haben über Jahrhunderte hinweg bedeutende Beiträge geleistet – oft unter schwierigen Bedingungen und ohne die Anerkennung, die ihnen zustand. Mit der Benennung der Besprechungsräume im Rahel Hirsch Center for Translational Medicine nach verstorbenen Wissenschaftlerinnen machen wir ihre Leistungen sichtbar und würdigen ihren Beitrag zur Forschung. Diese Seite stellt ausgewählte Biografien aus unterschiedlichen Disziplinen vor und erzählt von wissenschaftlicher Exzellenz, die lange im Schatten stand. Sie lädt dazu ein, die Geschichte der Wissenschaft neu zu betrachten – und darüber nachzudenken, wie Sichtbarkeit und Chancengleichheit heute gestaltet werden können.
Einleitung
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Frauen haben schon immer geforscht, Fragen gestellt und Entdeckungen gemacht. Doch der Zugang zur akademischen Welt wurde ihnen weltweit über Jahrhunderte hinweg systematisch verwehrt.
In vielen europäischen Ländern und Nordamerika durften Frauen erst ab dem späten 19. oder Anfang des 20. Jahrhunderts überhaupt an Universitäten studieren – oft nur unter bestimmten Bedingungen: als Gasthörerinnen, ohne Prüfungsrecht, oder mit Sondergenehmigung durch männliche Mentoren. Einige Frauen konnten nur forschen, weil ihre Väter oder Ehemänner sie unterstützten oder ihnen Zugang zu privaten Laboren verschafften. Viele mussten heimlich lernen, saßen in Vorlesungen hinter Vorhängen oder forschten in improvisierten Laboren.
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In der Regel waren es weiße Frauen aus wohlhabenden, bürgerlichen oder akademischen Familien, die überhaupt eine Chance hatten, die die systemischen Hürden in das männerdominierte Wissenschaftssystem überhaupt überwinden konnten.
Für die Mehrheit – insbesondere für Arbeiterinnen, Schwarze Frauen, Jüdinnen oder Frauen aus kolonialisierten Ländern – blieb der Zugang zur Wissenschaft nahezu unerreichbar. Intersektionale Diskriminierung sorgte dafür, dass sie vom Bildungssystem, von Ressourcen und von der Öffentlichkeit ausgeschlossen wurden. -
Selbst Frauen, die unter widrigsten Bedingungen geforscht haben, wurden häufig übersehen. Viele von ihnen durften nicht unter ihrem eigenen Namen publizieren – oder sie taten es nicht, weil sie befürchteten, nicht ernst genommen zu werden. Einige wurden mehrfach für Preise nominiert, die sie nie erhielten. Der Ruhm ging meist an ihre männlichen Kollegen. Viele ihrer Leistungen gerieten in Vergessenheit oder wurden nie dokumentiert.
Bis heute wirkt dies nach. Zwar machten weibliche Forschende 2022 ca. 31% aller aktiven Wissenschaftler*innen weltweit aus und Frauen sind in der Forschung formal gleichberechtigt, doch strukturelle Benachteiligung in der Wissenschaft besteht fort. Studien zeigen, dass ihre Beiträge seltener zitiert werden, sie seltener in Führungspositionen berufen werden oder Preise erhalten – ein Muster, das als „Matilda-Effekt“ bekannt ist. Diese Umstände prägen nach wie vor, wer als Wissenschaftler*in sichtbar ist: Wenn Kinder gebeten werden, sich eine Person in der Wissenschaft vorzustellen, dann ist es noch immer meist ein Mann.
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Mit der Benennung der Besprechungsräume im Rahel Hirsch Center nach Wissenschaftlerinnen möchten wir an diese Geschichte erinnern, Frauen in der Wissenschaft sichtbar machen - und gleichzeitig ein Zeichen für die Zukunft setzen. Die ausgewählten Frauen stehen für unterschiedliche Disziplinen, Herkunftsgeschichten und Lebensrealitäten – doch alle von ihnen mussten sich ihren akademischen Weg gegen Ausschlüsse, Diskriminierung oder Verfolgung erkämpfen.
Die Auswahl dieser Wissenschaftlerinnen stellt keinen vollständigen Kanon dar, sondern ist ein kollektives Statement unseres Instituts für Sichtbarkeit, Anerkennung und Veränderung. Die Erinnerung an diese Wegbereiterinnen soll inspirieren und eine Wissenschaftskultur fördern, in der alle Menschen – unabhängig von Geschlecht, Herkunft, sexueller Orientierung, Religion oder Hautfarbe – gleiche Chancen auf Teilhabe und Wirksamkeit haben.




















